Megaprojekt beunruhigt Architektenschaft

4. Juni 2002, 21:33
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Baukomplex beim Salzburger Hauptbahnhof geplant - Kein städtebaulicher Wettbewerb

Salzburg - Das ist "zu viel". Mit knappen Worten fassen die Vertreter der losen Salzburger Architektenvereinigung "Dialog Architektur" ihre Bedenken gegen ein neues Mega-projekt am Salzburger Hauptbahnhof zusammen. Auf Grundstücken von Post und ÖBB soll ein Riesenkomplex entstehen, der insgesamt auf eine Nettonutzfläche von zumindest 120.000 Quadratmeter kommt. Betreiber des Projekts, das neben Verkaufsflächen auch Büroräume für die Gebietskrankenkasse und ein Hotel vorsieht, ist eine Investorengruppe aus der BRD. Die Architekten Franz Seidl, Karl Meinhart und Thomas Forsthuber vermissen vor allem "stadtstrukturelle Überlegungen".

Ein Zentrum dieser Größe dürfe nicht "wie im Wilden Westen" hochgezogen werden. Nach Fertigstellung würde es unweigerlich zu einer Umschichtung von Büros, aber auch von Kaufkraft in der Stadt kommen, und es würde "Kraft von anderen Stadtteilen" abgezogen, meinen sie gegenüber dem STANDARD.

Die geplante Nutzfläche sei wesentlich größer als die der gesamten Altstadt. Selbst das Einkaufszentrum "Europark" komme auf weniger als die halbe Nutzfläche. Dass es für das Bauvorhaben keinen städtebaulichen Wettbewerb und nur ein Gutachterverfahren gibt, ist für die Architekten ebenso schwer verständlich wie das Fehlen einer öffentlichen Diskussion zu einem der größten Bauprojekte in der Stadt.

Anlass ihrer Kritik ist ein interner Planungsworkshop der Stadt, bei dem die Verträglichkeit des Monsterbaus diskutiert werden soll. Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste), dem mit dieser Kritik die politische Verantwortung aufgebürdet wird, gibt der Gruppe "Dialog Architektur" im Kern Recht.

Auch er fürchtet, dass durch das neue Zentrum am Bahnhof nur "bestehende Nutzungen umgeschichtet werden". Rechtliche Möglichkeiten zum Eingreifen sieht Padutsch jedoch wenige. Die privaten Betreiber könnten nicht zu einem Wettbewerb gezwungen werden, da sei "es schon ein Erfolg", dass im Gutachterverfahren fünf Entwürfe vorgelegt werden. Trost der Stadtplaner: "Es gibt am Bahnhof kein öffentliches Verkehrsmittel, dass dort nicht andockt." Insofern hält Padutsch den Standort für noch halbwegs verträglich. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2002)

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