"Hormonmafiosi" sind schuldig

4. Juni 2002, 20:25
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Auf Belgier wartet "lebenslang"

Schuldspruch für alle vier Angeklagten im Prozess um den Auftragsmord an einem Tierarzt durch die belgische "Hormonmafia". Das Strafausmaß soll in den nächsten Tagen festgesetzt werden, die vier Männer müssen mit lebenslanger Haft rechnen.

Nur drei Stunden brauchten die zwölf Geschworenen in Antwerpen, um zu ihrem Urteil zu kommen. Albert Barrez, der den Tierarzt Karel van Noppen 1995 erschossen hatte, und sein unmittelbarer Auftraggeber, der Waffenhändler Carl de Schutter, hatten ihre Tatbeteiligung gestanden. Nur Germain Daenen, ein Viehhändler, der zwischen den beiden und dem Hauptauftraggeber, dem Rinderzüchter Alex Vercauteren vermittelt hatte, und Vercauteren bestritten jede Tatbeteiligung. Besonders Vercauterens Mitschuld war bis zuletzt fragwürdig, direkte Beweise dafür gab es nicht. Die Anklage stützte sich auf die Aussage de Schutters, der Vercauteren schwer belastete.

Unbequem korrekter Kontrollor

Der Prozess wurde in Belgien mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, denn der Tod des Veterinärs 1995 wurde zu einem Wendepunkt in der belgischen Innenpolitik. Van Noppen, so zeigten die Ermittlungen, war ermordet worden, weil er einem dichtverzweigten Netz von illegalen Hormonproduzenten, Viehzüchtern, die die Hormone illegal ihren Schweinen spritzten und Veterinären zu unbequem geworden war. Der Tierarzt war unbestechlich, pflegte unangekündigt Kontrollen durchzuführen. Er wollte sich versetzen lassen, um den Machenschaften Vercauterens, der wegen illegalen Hormoneinsatzes bereits vorbestraft war, einen Riegel vorzuschieben.

Die Witwe des Ermordeten, Mieke Hendrickx, die als Nebenklägerin auftrat, hält - wie viele andere auch - die Angeklagten nicht für die allein Schuldigen. In einer ergreifenden Abschlussrede, zu der ihr der Staatsanwalt gratulierte, sagte sie, der Hauptangeklagte sei "von oben beschützt worden" - eine Anspielung auf den damaligen Arbeitgeber ihres Mannes, das Institut für Veterinäruntersuchungen.

Inzwischen weiß man, dass die Viehbarone der Hormonmafia ihre Informationen über anstehende Kontrollen aus dem Institut bezogen. Daher war van Noppen auch so gefährlich für sie - er machte Kontrollen, von denen auch seine Vorgesetzten vorher nichts wussten. (DER STANDARD, Printausgabe 05.06.2002)

Klaus Bachmann aus Brüssel
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