Günstigere Arzneikopien

4. Juni 2002, 19:30
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Unter Generika versteht man "Kopien" oder den Nachbau von erfolgreichen Medikamenten, deren Originalpatentrechte abgelaufen sind. Diese nachgebauten Präparate bestehen aus den gleichen Wirkstoffen, sind aber erheblich billiger als die Originale - durchschnittlich um ein Drittel.

In Österreich werden unterdurchschnittlich wenig Generika verbraucht, was mit der Verschreibepraxis der Ärzte, aber auch mit selbstbewusst geäußerten Wünschen der Patienten zu tun hat. Der Anteil der verordneten Generika am Gesamtverbrauch von Medikamenten beträgt hierzulande nur neun Prozent. In Deutschland liegt der Verordnungsanteil bei fast 50 Prozent, in Dänemark sogar bei 60 Prozent.

Das schlägt unmittelbar auf die Medikamentenkosten durch: Dänemark hat im EU-Vergleich die niedrigsten mit 8,3 Prozent (EU-Schnitt: 15 Prozent). Österreich verzeichnet dagegen relativ hohe Arzneimittelausgaben: 15,7 Prozent der Gesundheitsausgaben (ohne Spitäler) werden nur für Arzneien ausgegeben (pro Einwohner 303 Euro, EU-Schnitt: 252 Euro). Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitsforschung (ÖBIG) schätzt, dass kurzfristig 7,3 Millionen Euro eingespart werden könnten, wenn nur zehn Prozent der Originalmedikamente durch Generika ersetzt würden. Dementsprechend erfolgen bei jedem Reformplan für die defizitären Krankenkassen Appelle, mehr Generika zu verschreiben, zuletzt von Hauptverbandspräsident Herwig Frad im April.

Die Arzneimittelausgaben sind nämlich einer der großen Kostenfaktoren im Gesundheitswesen, der stark ansteigt: 1999 um 13,3 Prozent, 2000 - trotz eines "Solidaritätsbeitrags" von 72 Millionen Euro der Apotheken - noch immer um sieben Prozent. Die Medikamentenspannen sind in Österreich im EU-Vergleich besonders hoch. (nim/DER STANDARD, Printausgabe 05.06.2002)

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