Sag zum Abschied leise Amadeus . . .

4. Juni 2002, 21:04
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Die Staatsoper im Theater an der Wien

Wien - Am Donnerstag beginnt wieder eine kurze Staatsopernregentschaft Mozarts im Theater an der Wien - doch umweht sie jetzt schon ein Hauch des Abschieds. Nach Ende des Zyklus, der neben Le Nozze di Figaro auch Così fan tutte und Don Giovanni (mit Dirigent Riccardo Muti) präsentiert, endet nämlich diese Zusammenarbeit der Staatsoper mit den Festwochen - so jedenfalls Staatsoperndirektor Ioan Holender.

Die Kooperation wird Holender wohl nicht abgehen, das Theater an der Wien aber sicherlich. Schließlich kam die Diskussion um die verstärkte Opernbespielung des Musical-Theaters vor allem dann in Fahrt, wenn die Staatsoper im Rahmen der Festwochen mit den Wiener Philharmonikern aktiv wurde.

Unlängst ist die Entscheidung zwar zugunstern der Oper gefallen: Ab 2007 wird es im Theater an der Wien keine Musicals mehr geben; die Vereinigten Bühnen Wien werde mit Ronacher und Raimundtheater vorlieb nehmen. Und Hans Landesmann, Musikchef der Festwochen, soll über die Opernzukunft des Theaters an der Wien nachdenken.

Allerdings ist die Staatsoper nicht mit von der Partie, obwohl Ioan Holender das Haus gerne übernommen hätte und der Stadt Wien auch ein Konzept vorgeschlagen hatte. Sein Konzept sah u.a. eine teilweise Übersiedlung des Staatsopern-Balletts sowie Aufführungen von kleineren Opern vor. Das sei aber nicht goutiert worden. "Ich habe gehofft, dass es anders kommt, habe aber nichts anderes erwartet", so Holender. Nach wie vor bestehe der Wunsch der Staatsoper, Glucks Orpheus und Eurydike im Theater an der Wien zu machen, sagte Holender, der "prinzipiell bereit" ist, am neuen Konzept für das Theater mitzuarbeiten - so es gewünscht werde.

Um die Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit den Festwochen zu illustrieren, zitierte Holender aus einem Brief, den ihm der damals designierte Festwochen-Intendant Luc Bondy im Februar 2000 geschrieben hatte und in dem dieser auf seine alleinige Entscheidungsgewalt gepocht hatte: "Es wird keinen Mozart-Zyklus geben."

Zu diesem Zeitpunkt wären aber bereits alle Verträge unterzeichnet gewesen. "Alles musste ich in Bewegung setzen", um das Projekt doch verwirklichen zu können, sagte Holender, dessen Gesprächsklima mit Landesmann laut Insidern wieder besser ist. Im Zuge des Konzeptgerangels um das Theater an der Wien war es getrübt. Wie auch immer: Così und Don Giovanni werden 2002/03 in der Staatsoper wieder aufgenommen. "Das grenzt an Wahnsinn, aber sonst kann man's wegschmeißen", so Holender. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2002)

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