Staatsanwalt und Rechnungshof prüfen Frühpensionierungen

8. Juni 2002, 11:54
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Heftige Kritik vom ÖAAB an den Führungsetagen der Post, Telekom und Bahn

Wien - Wegen angeblicher Frühpensionierungsmissstände bei Post, Telekom und ÖBB prüft jetzt die Staatsanwaltschaft mögliche strafrechtliche Tatbestände. Auch der Rechnungshof hat sich eingeschaltet. Er untersucht, ob es zu Besonderheiten und Auffälligkeiten gekommen ist. Allerdings prüft er nach wirtschaftlichen Kriterien. Dieses Prüfergebnis des Rechnungshofes dient dann der Staatsanwaltschaft als Ergänzung zu ihren eigenen Ermittlungen, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Wien, Friedrich Matousek, im Ö1-Morgenjournal. Die Staatsanwaltschaft kann nach medizinischen Gesichtspunkten untersuchen und Gegengutachten einholen.

Scharfe Kritik an der Führungsebene der Post, Telekom und Bahn übte ÖAAB-Bundesobmann Werner Fasslabend: "Wie auch Ärzte mittlerweile beklagen, dürfte der drastische Altersrückgang bei den Frühpensionen hauptsächlich durch Druck auf die Mitarbeiter zustande gekommen sein, um durch Frühpensionierungen das Personal zu reduzieren. Das ist ein eklatanter Missbrauch des Systems und gehört umgehend abgestellt."

Alter der Frühpensionisten stark gesunken

Dass das Alter der Frühpensionisten der Post und Telekom in den vergangenen drei Jahren um mehr als zehn Jahre gesunken sei - 1999 lag es noch bei 59 Jahren, heuer im Frühjahr beim Rekordtiefstand von 48,5 Jahren - lasse sich nicht damit erklären, dass die Bediensteten der Post und Telekom gesundheitlich derart angeschlagen seien, um bereits vor dem 50. Lebensjahr in den Ruhestand geschickt werden zu müssen. "Hier liegt schon eher der Verdacht nahe, dass Mitarbeiter, die gerne noch arbeiten würden, aus Kostengründen aus dem Arbeitsprozess hinausgedrängt werden. Dazu werden Gesetze gebeugt und das Sozialsystem missbraucht", kritisiert Fasslabend.

Sollten die Untersuchungen des Rechnungshofes den Verdacht bestätigen, dass die Frühpensionswelle keine "natürlichen" Ursachen habe, so seien umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Missbrauch abzustellen, so der ÖAAB-Chef. (APA)

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