Der Fall des Konzernbosses

5. Juni 2002, 10:15
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Ex-Tyco-Chef Kozlowski wird angeklagt Umsatzsteuer hinterzogen zu haben - US-Märkte taumeln ob des nächsten Skandals

New York - Der am Montag zurückgetretene Tyco-Chef Dennis Kozlowski ist am Dienstag angeklagt worden, Umsatzsteuer für wertvolle Kunstwerke in Höhe von mehr als einer Mill. Dollar (1,1 Mill. Euro) nicht gezahlt zu haben. Ihm wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem Verschwörung, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Der Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, Robert Morgentau, teilte am Dienstag auf einer Pressekonferenz in New York mit, der 55-Jährige habe im Bundesstaat New York auf Kunst-Einkäufe für mehr als 13 Mill. Dollar die Umsatzsteuer nicht zahlen wollen und entsprechende Vorkehrungen getroffen. Zu den Kunstwerken hätten Bilder von Auguste Renoir und Claude Monet gehört, hieß es in der Anklageschrift.

Falsche Dokumente unterschrieben

Nach Angaben von Morgenthau hat Kozlowski in der Zeit vom 11. August 2001 bis zum 3. Juni 2002 wertvolle Kunstwerke von Kunstgalerien und Kunsthändlern in London und New York gekauft. Der Einkauf von mindestens sechs Kunstwerken sei so arrangiert worden, dass er die im Bundesstaat New York fällige Steuer vermieden habe.

Tyco-Angestellte seien angewiesen worden, falsche Dokumente zu unterschreiben, um den Eindruck zu erwecken, die Gemälde seien außerhalb des Staates New York gekauft worden. Morgenthau sagte weiter, die Ermittlungen hätten auf Grund eines Hinweises aus dem Banken-Dezernat des Bundesstaates New York begonnen. Die Ermittlungen dauerten noch an.

Überraschender Rücktritt

Kozlowski, der zehn Jahre die Geschicke des Unternehmens geleitet hatte, war am Vortag überraschend als Chairman und Chief Executive zurückgetreten. Tyco hatte von persönlichen Gründen für den Rücktritt gesprochen. Allerdings hatten Medien bereits über die Ermittlungen berichtet. Der Rücktritt hatte an der Wall Street die Talfahrt der Tyco-Aktien beschleunigt und den gesamten Markt stark belastet.

Tyco büßten rund 27 Prozent auf 16,05 Dollar ein, erholten sich am Dienstag aber in einem ansonsten schwachen Gesamtmarkt um moderate knapp zwei Prozent auf 16,35 Dollar. Tyco hat in diesem Jahr rund 80 Mrd. Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Kozlowski kam aus relativ einfachen Verhältnissen an die Spitze des auf den Bermudas ansässigen Tyco-Konzerns, den er zu einem der größten Weltkonzerne umstrukturierte. Seit dem Enron-Zusammenbruch ist aber auch Tyco immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Zuletzt hatte Kozlowski eine umstrittene Aufspaltung des Konzerns wieder rückgängig gemacht und Management-Fehler eingeräumt, für die er in einem Aktionärsbrief die Verantwortung übernahm.(APA/Reuters)

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