Nitrofenverdacht in Österreich

5. Juni 2002, 12:40
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30 Proben aus deutscher Lieferung gezogen - Biohandel: Vielleicht Reimporte

Eine vermutlich mit Nitrofen verseuchte Lieferung von Geflügelfleisch ist nach Österreich gegangen, erklärte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Hanns-Dieter Rosinke, zum STANDARD. Wie viel Fleisch geliefert worden sei, könne noch nicht gesagt werden. Über die EU sei Österreich spätestens montags informiert worden. Zwischen November 2001 und Mai 2002 ging Fleisch von über 100.000 Tieren nicht nur an deutsche Betriebe, sondern Teile davon auch an Dänemark, die Niederlande und Österreich - insgesamt 93 Lieferungen.

Ergebnisse noch ausständig

In der staatlichen Ernährungsagentur in Mödling bestätigte der provisorische Leiter Walter Schuller auf Anfrage, dass "zwanzig bis dreißig Proben gezogen" worden seien und in den Labors in Wien und Innsbruck untersucht würden. Freitag, spätestens Montag, würden die Ergebnisse vorliegen. Wieviel Geflügelfleisch aus Deutschland nach Österreich gelangt sei, könne er nicht sagen.

Im niedersächsischen Agrarministerium hieß es allgemein, es seien Putenfleisch, Hühnerbrust und Materialien für die Wurstproduktion ausgeliefert worden. Auch Produkte mit Haltbarkeitsdaten seien hergestellt worden. "Hier gibt es eine große Wahrscheinlichkeit, dass noch einiges zurückzuholen ist", so Rosinke. In Deutschland sind bisher 93 Abnehmer von belasteten Geflügelprodukten ausgemacht worden.

Pute - nicht Huhn

Um Puten-, nicht um Hühnerfleisch dürfte es sich bei den Nitrofen verdächtigen Importen nach Österreich handeln, meint indes Franz-Jakob Purkathofer vom größten heimischen Bioverband Ernte für Leben. Bei Biohühnerfleisch nämlich herrsche in Österreich "praktisch Eigenversorgung".

In Kreisen des Handels geht man davon aus, dass die Lieferung an einen Betrieb ging, der auch Supermärkte mit Biogeflügel bedient. Dabei könnte es sich auch um Reimporte gehandelt haben: Tiere, die in Österreich zerlegt und danach wieder nach Deutschland verbracht wurden. (DER STANDARD, Printausgabe, 05.06.2002)

Alexandra Föderl-Schmid und Irene Brickner

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