Identifikation mit Unternehmen kompensiert Kompetenz

4. Juni 2002, 14:59
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Hauptgrund für Jobwechsel ist schlechte Bezahlung

Wien - Schlechte Bezahlung spielt bei den Gründen für einen Arbeitsplatzwechsel die wichtigste Rolle. Das trifft sowohl auf gewerbliches als auch kaufmännisches und technisches Personal zu. Bei den Fach- und Führungskräften rangiert dagegen die Entwicklungsmöglichkeit (Karriere) als Hauptgrund für einen Arbeitsplatzwechsel an vorderster Stelle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der LGS Personal Unternehmensgruppe, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde.

Beim gewerblichen Personal bestimmen demnach mit 68 Prozent in erster Linie monetäre Komponenten wie Nettolohn und Gehalt einschließlich Sozialleistungen vor den Arbeitsbedingungen mit 38 Prozent über die Verweildauer in einem Unternehmen. Bei kaufmännisch/technischem Personal sowie Verkaufspersonen und Angestellten spielen neben einem leistungsorientierten und attraktiven Gehalt (56 Prozent) auch das Betriebsklima (42 Prozent), die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten (43 Prozent) und die Unternehmenskultur (33 Prozent) eine wichtige Rolle.

Karrieremöglichkeiten

Bei Führungskräften und hoch qualifiziertem Fachpersonal spielen dagegen die Karrieremöglichkeiten mit 51 Prozent die wichtigste Rolle bei der Verweildauer in einem Unternehmen. An zweiter Stelle kommt die Identifikation mit der Aufgabe (46 Prozent) und an dritter die Entlohnung. Die Studie wurde von der LGS Personal Unternehmensgruppe von September 2001 bis Mai 2002 unter 202 Personalleitern namhafter Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die insgesamt mehr als 277.000 Arbeitsplätze anbieten, durchgeführt.

Die Auswertung der Studie ergab ferner, dass Fachkompetenz nicht alleine ausschlaggebend für eine geringe Personal-Fluktuation ist. "Wie gut ein Mitarbeiter zum Unternehmen passt, spielt bezüglich der Personal-Fluktuation eine größere Rolle als die Fachkompetenz", sagte LGS-Studienleiter Marlon Drljaca. Dabei sinke die Bedeutung der fachlichen Qualifikation als Jobwechselgrund mit der Unternehmensgröße.

Identifikation kompensiert Kompetenz

Es habe sich herausgestellt, dass fehlende Fachkompetenz durch hohe Identifikation mit dem Unternehmen kompensiert werden könne. 82 Prozent der befragten Unternehmen würden sich eher für einen Kandidaten entscheiden, der sich mit dem Unternehmen identifizieren kann. Ein Übermaß an Identifikation könne aber auch negative Folgen haben. Es könne zu Betriebsblindheit und mangelnder Marktorientierung führen. Auf Kundenwünsche könnte zu wenig eingegangen werden, warnte Drljaca.

Um die - kostenverursachende - Personal-Fluktuation niedrig zu halten, müsse bereits im Auswahlprozess von potentiellen Mitarbeitern neben der fachlichen Kompetenz auch die Sozialkompetenz, das Entwicklungspotenzial und die Übereinstimmung mit der Unternehmenskultur und der Wertvorstellungen der Bewerber berücksichtigt werden, sagte LGS-Geschäftsführer Karl Zemann. (APA)

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