900.000 Österreicher haben die Nase voll

4. Juni 2002, 14:01
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Heuschnupfen: Jedes vierte Schulkind betroffen - Zunehmend überfordertes Immunsystem reagiert mit Allergie

Etwa fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen und zwanzig bis dreißig Prozent der österreichischen Vorschulkinder sind in diesen Wochen davon betroffen: die Pollenenergie. Alleine in den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Zahl der Allergiker europaweit verdreifacht, so Walter Fiala, Referent für komplementäre Medizin der Steirischen Ärztekammer, am Dienstag in einem Pressegespräch im Rahmen des 1. Grazer Gesundheitstages in der steirischen Landeshauptstadt. In den vergangenen 80 Jahren ist die Zahl dieser überschießenden Immunreaktion sogar um das 15-Fache gestiegen.

Starker Zuwachs an Allergiepatienten

Dass die Zahl der Allergiepatienten in den Arztpraxen immer stärker im Zunehmen ist, bezeichnete der Grazer Allgemeinmediziner als "kein Wunder". - "Waren es vor 100 Jahren gerade einmal hundert chemische Substanzen, die auf uns einwirkten, sind es heute über 13.000", so Fiala. "Das Immunsystem werde damit zunehmend überfordert", so der Mediziner.

Rund 900.000 Österreicher reagieren darauf mit einer so genannten überschießenden Reaktion oder Allergie. Die Suche nach den Ursachen bewegt sich allerdings noch im Bereich des Hypothetischen: "Führend ist die Hygiene-Hypothese, die angibt, dass durch größtenteils gute hygienische Bedingungen schlicht nicht mehr weiß, wie es reagieren soll", meinte Fiala.

Ursache und ergänzende Heilmethoden

Was ein Gesunder gar nicht spürt, belastet den Allergiker enorm: Schon 20 Pollen pro Kubikmeter Luft reichen aus, um typische Beschwerden wie rinnende Nase und Augenjucken bis zu Atemnot hervorzurufen. Die klassische Medizin tritt den Kampf gegen Allergien mit einer Fülle von Medikamenten an. "Viel zu selten wird nach Ursache und ergänzenden Heilmethoden gefragt", so der Gesundheitsreferent der Stadt Graz, Peter Weinmeister, der den 1. Grazer Gesundheitstag dem Generalthema "Allergien" gewidmet hat und dazu sowohl Schulmediziner als auch Vertreter der ergänzenden Heilmethoden eingeladen hat.

Akupunkturbehandlung

Über Erfolge aus der Richtung der Komplementärmedizin konnte die Grazer Allgemeinmedizinerin und Akupunkteurin Andrea Pribyl berichten: "Sowohl die Erfahrung aus der täglichen Praxis als auch der Trend vieler Studien zeigen, dass rund 60 bis 70 Prozent der Allergiepatienten von einer Akupunkturbehandlung profitieren", so die Medizinerin. "Günstiger sei es allerdings , schon einige Wochen vor Beginn des Pollenfluges mit der Behandlung zu beginnen. Bei Patienten, die nach der Akupunkturserie bereits einen deutlichen Rückgang ihrer Symptome reagieren würde diese Verbesserung "bis zu drei bis vier Jahre" anhalten. (APA)

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