Atal Behari Vajpayee

26. August 2003, 19:27
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Neu Delhi - Als der indische Regierungschef Atal Behari Vajpayee (77) vor vier Jahren an die Macht kam, wollte er von einer Position der Stärke aus die Aussöhnung mit Pakistan erreichen. Die Atomtests vom Mai 1998 und Vajpayees Busreise nach Pakistan im Februar 1999 waren Teil desselben Plans.

Aber er schlug fehl. Im Mai 1999 fielen pakistanische Freischärler in den indischen Teil Kaschmirs ein, und aus der Hoffnung auf Frieden wurde über Nacht die Angst vor Krieg. Indien macht Pakistans Militär für die damalige Krise mitverantwortlich.

Dennoch lud Vajpayee im Sommer 2001 Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf nach Indien ein. Die Gespräche scheiterten jedoch, und schon ein halbes Jahr später brachte ein Terroranschlag auf das indische Parlament beide Länder erneut an den Rand eines Krieges, genau wie jetzt das Massaker an Frauen und Kindern im indischen Teil Kaschmirs, für das Indien Pakistan mitverantwortlich macht.

Vajpayee wurde am 25. Dezember 1924 in Gwalior im Bundesstaat Madhya Pradesh als Sohn eines Lehrers geboren. Er studierte Politik, engagierte sich gegen die britischen Kolonialherren und arbeitete in der rechtsgerichteten Hindu-Organisation RSS mit. 1951 zählte Vajpayee zu den Gründern der Hindu-Partei Jan Sangh, einem Vorläufer der jetzt regierungenden hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (Indische Volkspartei/BJP). Seit 1957 ist er Mitglied des indischen Parlaments.

Von 1977 bis 1979 war Vajpayee Außenminister, von 1993 bis 1998 Oppositionsführer. Im März 1998 wurde er Regierungschef. Vajpayee schreibt Gedichte und war berühmt für seine mitreißenden Reden im Parlament, die er auf Hindi hielt. In jüngster Zeit wirkt er jedoch oft erschöpft.

Der Junggeselle Vajpayee gilt als mäßigende Kraft in seiner Hindupartei BJP. Dem Drängen nach Angriffen auf Rebellenstützpunkte auf pakistanischem Gebiet gab er bisher nicht nach, Gewalt fundamentalistischer Hindus gegen Christen und Moslems trat er entgegen. Nach Ansicht von Beobachtern schwindet sein Einfluss jedoch, weil seine Politik der Annäherung an Pakistan keinen Erfolg brachte. (APA/dpa)

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