Argentinien drängt auf IWF-Hilfe

4. Juni 2002, 12:30
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Reformschritte vollzogen - Jetzt werden Verhandlungen gesucht

Buenos Aires - Die argentinische Regierung drängt nach Einleitung der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderten Reformen auf die Bewilligung eines milliardenschweren Hilfspakets. Außenminister Carlos Ruckauf sagte, er rechne damit, dass der IWF mit Argentinien innerhalb von 45 Tagen ein Hilfsangebot aushandle. Präsidentensprecher Eduardo Amadeo sagte am Montag: "Wir hoffen, es ist jetzt offensichtlich, dass die Regierung und der Kongress ihrer Verantwortung gerecht geworden sind."

Der IWF hat indes bisher noch keinen Termin für Verhandlungen genannt. Es gebe keine neuen Informationen über die Entsendung einer Delegation, teilte ein IWF-Sprecher mit. Offen ist auch, ob der IWF dem hoch verschuldeten und rezessionsgeplagten Land frische Gelder bewilligt oder sich auf die Wiederaufnahme des Hilfsprogramms beschränkt, das Ende vergangenen Jahres ausgesetzt worden war. Die Unterstützung des IWF gilt als Voraussetzung für Hilfsangebote anderer Institutionen wie der Weltbank und könnte auch das Vertrauen von Investoren stärken. Innerhalb des vergangenen Jahres konnte Argentinien einem Großteil seinen Zahlungsverpflichtungen über insgesamt 140 Mrd. Dollar (149 Mrd. Euro) nicht nachkommen.

Kunden wollen den Dollar zurück

Eine Woche nach Präsident Eduardo Duhaldes Rücktrittsdrohung wegen der zunächst verzögerten Reformen hatte die Regierung schließlich die drei wichtigsten Bedingungen für neuerliche Hilfen des IWF durchgesetzt. So wurden ein Gesetz über Wirtschaftskriminalität abgeschafft, die eingefrorenen Bankeinlagen teilweise wieder freigegeben und den Provinzen eine strengere Haushaltsdisziplin auferlegt. Die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas steckt seit vier Jahren in der Rezession und kämpft mit einer fortschreitenden Verarmung der Bevölkerung sowie einer steigenden Inflationsrate und Arbeitslosigkeit. Die Bankeinlagen haben seit der Entkopplung der Landeswährung Peso vom Dollar rund 80 Prozent an Wert verloren, was die sozialen Unruhen im Land angefacht hat.

Wirtschaftsminister Roberto Lavagna schlug unterdessen vor, einen Teil der noch eingefrorenen Spargelder in Staatsanleihen und Sparbriefe umzuwandeln. Argentinien hatte Barabhebungen im vergangenen Jahr begrenzt, um einen Bankensturm zu verhindern. Bei den Bürgern stößt der vorgeschlagene Tausch jedoch auf Widerstand. "Wir haben Dollar eingezahlt und wollen Dollar wiederbekommen", sagte ein Bankkunde während einer Demonstration gegen die Regierung in Buenos Aires. (APA/Reuters)

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