"Sehr witzig, sehr polemisch"

5. Juni 2002, 13:37
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Peter Turrini lobt Walsers Roman - Robert Menasse ist "wütend" - Walser überlegt Übersiedlung nach Österreich

Wien - Enthusiastisches Lob für Robert Walsers "Tod eines Kritikers" findet Peter Turrini in der Donnerstags-Ausgabe der Info-Illustrierten "News": "Ein wunderbares Buch, sehr witzig, sehr polemisch. Man muss schon von schwerem deutschen Wahn befallen sein, um es als antisemitisch zu lesen. Sollte Walser jetzt aus der deutschen Literatur zwangsverwiesen werden, ist er mir in der österreichischen sehr willkommen".

"Wütend" äußerte sich Robert Menasse: "Walser hat eine Meisterleistung vollbracht: Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein Schriftstellerkollege es schafft, dass ich mich mit Reich-Ranicki solidarisieren muss. Walser hat es geschafft, und das macht mich wütend".

Walser erklärt in der selben Ausgabe von "News", dass er überlege, Deutschland zu verlassen und nach Österreich zu übersiedeln. Der am deutschen Bodensee-Ufer lebende Autor sieht sich derzeit in Deutschland auf Grund seines noch unveröffentlichten Romans "Tod eines Kritikers" wegen angeblicher antisemitischer Tendenzen heftiger Kritik ausgesetzt.

"Das alles weckt in mir den Wunsch, mich außerhalb dieser Grenze zu begeben. Ich wandere innerlich andauernd aus. Ständig denke ich: Nichts wie weg. Entfernung würde helfen. Vorarlberg ist ja nicht weit und ein schönes Land. Meine Vorfahren sind erst 1720 aus dem großen Walsertal hierhergezogen", so Walser.

Über seinen künftigen Wohnort will Walser erst in rund zwei Wochen entscheiden, wenn die weitere Entwicklung der Kontroverse um sein Buch absehbar sei. (APA)

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