Die dritte Dimension von Fisch und Politik

4. Juni 2002, 09:16
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Das neue Imax eröffnet mit Europas größter Kinoleinwand

Wien - Man trägt wieder schicke 3-D-Brillen. Und die alte, aus längst vergangenen Jahrhunderten (in denen auch der ORF mit dreidimensionalen Bildern experimentierte) bekannte Wahrheit vom Fisch gilt auch jetzt, im neuen Imax-Kino, wieder: Wo man da 3D ruft, da blubbern die Fische.

Und - natürlich - gibt es jede Menge auf den Betrachter oder die Betrachterin zufallende Gegenstände. Sonst wäre der ganze Zauber mit dem räumlichen Filmsehen ja auch sinnlos. Dasselbe gälte auch, verzichtete man auf Spiele mit Fluchtlinien: Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (VP) jubelt also - wenn auch ein wenig verschwommen - aus dem Vordergrund eines schönbrunnesk-monarchisch glänzenden Prunkraumes. Hinter Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) erstrecken sich die Arkaden des Wiener Rathauses. Und Wilfried Seipel hat wie zufällig ganze Zimmerfluchten seines Kunsthistorischen Museums im Rücken: Am Montag präsentierte sich das neue Imax-Kino. Dreidimensional. Da ließ es sich kein Honoratior nehmen, statt als echter Mensch (rund 1,70 Meter hoch) von einer 600-m²-Leinwand zu grinsen.

Zum Glück hat das 450 Plätze fassenden Erlebniskino westlich des Technischen Museums aber ein paar Bilder mehr zu bieten: Die matten Fischlein aus TV-3-D-Zeiten können den vollfarbigen Tauchgängen im Großformat ebenso wenig das Wasser reichen, wie Außenaufnahmen von Politikern spektakulären Innenansichten vom menschlichen Körper.

Ab dem 7. Juni wird das in nur sechs Monaten und um 8,72 Millionen Euro errichtete Kino für alle geöffnet sein - vorausgesetzt man schafft es, Karten zu ergattern: Immerhin sind bereits jetzt mehr als 35.000 Reservierungen und Buchungen bei den Betreibern des Kinos eingegangen.

Verwunderlich, betonten diese am Montag aber, sei das nicht wirklich: Schon das alte zweidimensionale Imax (dessen 2-D-Filme neben den 3-D-Werken auch hier gezeigt werden werden) litt nicht unter Besuchermangel. Superlative wie die von Kletterern des Alpenvereines aufgezogene 29 mal 21 Meter große Leinwand, eine den Körper voll erfassende 24.000 Watt starke Beschallung oder einfach nur die Kubatur des Kinosaals und die Größe der Filmrollen (ein 40-minütiger Film hat einen Durchmesser von 1,50 Meter und wiegt 80 Kilo) sind ja auch durchaus beeindruckend.

Bliebe nur die Sache mit den 3-D-Brillen: Die sehen nämlich genauso lächerlich aus wie im letzten Jahrhundert - aber wenn einem die Fische um die Ohren flitzen, schaut ohnehin keiner mehr zum Nachbarn. (rott/DER STANDARD, Print, 4.6.2002)

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