Aufschub für zur Steinigung verurteilte Nigerianerin

4. Juni 2002, 21:26
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Befristete Freilassung wegen Neugeborenem

Nairobi/Abuja - Eine wegen Ehebruchs zur Steinigung verurteilte Frau ist am Montag in Nigeria für eineinhalb Jahre auf freien Fuß gesetzt worden, um zunächst ihr Baby zu versorgen. Ein islamisches Gericht im nigerianischen Bundesstaat Katsina entschied, die 30-jährige Amina Lawal dürfe in ihr Dorf zurückkehren und sich bis Jänner 2004 um ihre neugeborene Tochter Wasila kümmern.

Lawal war Ende März des Ehebruchs für schuldig befunden und nach dem islamischen Scharia-Recht zur Steinigung verurteilt worden. Sie hatte nach der Scheidung ein Baby zur Welt gebracht. Für den 8. Juli ist eine Berufungsverhandlung angesetzt. Ihre auf 19 Monate befristete Freilassung ist davon jedoch nicht berührt.

Das Todesurteil gegen Lawal war am selben Tage gefällt worden, als eine ebenfalls wegen Ehebruchs zur Steinigung verurteilte Frau im nördlichen nigerianischen Staat Sokoto von einem Berufungsgericht freigesprochen wurde. Der Fall der 35-jährigen Safyiatu Hussaini hatte weltweite Beachtung gefunden und Proteste ausgelöst.

Hussaini war die erste Frau, die seit Einführung des Scharia- Rechts in zwölf überwiegend moslemischen Staaten Nigerias im Jahr 2000 zum Tode verurteilt worden war. In mehreren Bundesstaaten wurde verurteilten Dieben bereits die Hand abgehackt. Männer wurden wegen Alkoholgenusses und Frauen wegen Ehebruchs ausgepeitscht. Die nigerianische Bundesregierung lehnt das Scharia-Recht ab. (APA)

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