Rabbiner nennt Boykott gegen US-Medien einen "Erfolg"

3. Juni 2002, 20:49
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New York Times bestätigte Kündigungen von Abonnements

Ein mehrwöchiger Boykott von Sympathisanten Israels in den USA gegen führende amerikanische Medien hat nach Ansicht eines New Yorker Rabbiners den erhofften Erfolg gebracht. "Die Berichterstattung über den Nahostkonflikt ist wesentlich fairer geworden", erklärte Rabbi Haskel Lookstein von der jüdischen Gemeinde Kehilath Jeshurun in Manhattan. Er wolle den Boykott deshalb am kommenden Wochenende beenden, kündigte Lookstein Montag Abend an.

Der Rabbiner hatte seine Gemeinde und andere Sympathisanten der israelischen Regierung Anfang Mai dazu aufgerufen, die "New York Times" und andere Zeitungen wegen ihrer "propalästinensischen Berichterstattung" wenigstens einen Monat lang zu boykottieren. Wie viele Leser diesem Aufruf folgten und ihr Abonnement aufkündigten, konnte Lookstein nicht beziffern. Doch "wohin ich auch gehe, erklären mir die Leute, sie fassen die Zeitung nicht mehr an", sagte der Rabbiner der dpa.

Details über die Ausmaße nicht bekannt

Die "New York Times" bestätigte die Kündigungen, lehnte es aber ab, auf ihr Ausmaß einzugehen. Der Zeitung zufolge waren auch die "Washington Post" und die "Los Angeles Times" von Protestaktionen gegen angeblich unausgewogene Nahostberichte betroffen. Selbst CNN und der unabhängige Netzwerksender NPR (National Public Radio) wurden von Anhängern Israels scharf attackiert, weil sie dem Leiden der palästinensischen Bevölkerung mehr Beachtung schenkten als dem israelischer Zivilisten.

Die NPR-Station WBUR-FM in Boston musste der "New York Times" zufolge Spendeneinbussen in Höhe von einer Million Dollar oder vier Prozent ihres jährlichen Budgets hinnehmen. Der Nachrichtenleiter von CNN, Eason Jordan, erhielt an einem einzigen Tag rund 6000 Proteste per E-Mail gegen angeblich Israel feindliche Bemerkungen eines CNN-Korrespondenten in Jerusalem. "Unsere Position ist, dass die Palästinenser leiden, während Israelis ermordet werden", erläuterte Lookstein der dpa. Dieser Unterschied müsse von den Medien klar gemacht werden. (APA/dpa)

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