Slowenien: Disput um Massenmorde an Deutschen zu Ende des Zweiten Weltkriegs

3. Juni 2002, 19:18
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Nicht slowenische Partisanen, sondern Kämpfer aus anderen Teilen Jugoslawiens hätten diese begangen

Laibach/Wien - In der in Slowenien erneut entbrannten Kontroverse um kommunistische Gräueltaten nach dem Zweiten Weltkrieg hat ein Partisanenvertreter "Fehler" eingeräumt. Gegenüber der slowenischen Tageszeitung "Delo" von Montag sprach sich der ehemalige Aufklärer des nationalen Komitees für die Befreiung Jugoslawiens, Ciril Plut, für eine "völlige Aufklärung" der damaligen Ereignisse aus. Seiner Ansicht nach wurden die Massenmorde an abziehenden deutschen Soldaten und ihren Verbündeten auf slowenischem Gebiet nicht von slowenischen Partisanen, sondern von Kämpfern aus anderen Teilen Jugoslawiens begangen.

Eine Aufarbeitung der Geschichte sei notwendig, "damit nicht unnötigerweise der Namen der slowenischen Partisanen und des slowenischen Volksbefreiungskampfs durch den Dreck gezogen wird. Wir waren jung, wir wussten nicht, was der Kommunismus war, niemand hat uns irgendeinen ideologischen Hass eingetrichtert, wir haben nur gegen den Nazismus und Faschismus gekämpft. Ehrenhaft", betont Plut gegenüber "Delo".

Fehler

"Ich behaupte nicht, dass wir keine Fehler gemacht haben, aber der Krieg selbst ist schon ein Fehler", so Plut. Er selbst habe die von Partisanen begangenen Verbrechen in Südostslowenien nach Ende des Krieges untersucht. Über das Gebiet Posavje sei damals der größte Teil der deutschen Armee und ihrer Verbündeten geflohen. Dort seien die Flüchtenden von der montenegrinischen, serbischen und der herzegowinischen Brigade der jugoslawischen Armee abgefangen worden. Diese hätten dann "mit ihnen abgerechnet, wie sie halt abgerechnet haben".

Slowenische Partisanen seien hingegen "in all dem nicht involviert" gewesen, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt gar nicht in diesem Gebiet aufgehalten hätten, betont Plut. Außerdem sei "der Befehl für die Morde aus Belgrad und nicht aus Slowenien gekommen". Dieser Befehl habe sich auch auf die slowenischen Kollaborateure Hitlers, die Domobranzen, bezogen, die jedoch erst später umgebracht worden seien.

Geschätzte 300.000 Tote

Schätzungen zufolge wurden auf dem Gebiet Sloweniens nach dem Zweiten Weltkrieg etwa 300.000 ehemalige Gegner der Partisanen umgebracht. Nach der Entdeckung eines bisher unbekannten Massengrabs im Sommer des Vorjahres ist in Slowenien die Debatte um den Umgang mit diesem dunklen Kapitel der Vergangenheit erneut entbrannt. Kürzlich wollte die konservativen Opposition anlässlich des Beschlusses des Kriegsgräbergesetzes im Parlament erreichen, dass die getöteten Domobranzen als "Opfer der Revolutionsgewalt" bezeichnet werden. Etwa die Hälfte der vermuteten Massengräber ist bisher noch nicht entdeckt worden. (APA)

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