Pater soll Frau sexuell bedrängt haben

3. Juni 2002, 19:09
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Wiener Pfarrer weist Vorwürfe zurück und engagiert Ordnerdienst für Gotteshaus

Wien - Türsteher vor Kirchenpforten sorgen seit geraumer Zeit in einer katholischen Pfarre in Wien für Gesprächsstoff nach der Messe. Der "Ordnerdienst" ist die Reaktion eines Pfarrers auf einen gegen ihn erhobenen schweren Vorwurf: Eine junge Frau behauptet, der Pater habe sie sexuell bedrängt. Mittlerweile sind nicht nur Rechtsanwälte eingeschaltet, sondern auch die Kurie der Minoriten in Rom. Generalassistent Pater Leo Beck von der "Curia Generalizia" hat eine Visitation in Österreich angekündigt.

Die Frau gibt an, sie habe nach dem Tod ihres Lebensgefährten Trost in der Religion gesucht und sich verstärkt in der Pfarre engagiert. Der Pater habe sich ihr als "Seelenführer" angeboten. Bei Gesprächen außerhalb der Kanzleizeiten habe der Geistliche dann aber immer wieder Fragen über ihr Intimleben gestellt. "Und einmal befriedigte er sich dabei selbst", so die Frau zum STANDARD.

Die Vorfälle habe sie mehreren hohen Würdenträgern der Kirche schriftlich zur Kenntnis gebracht, "Untersuchungen" seien angekündigt worden. Doch dann habe der beschuldigte Pater ein Hausverbot gegen sie verhängt.

Der Pfarrer weist den Vorwurf des sexuellen Übergriffes entschieden zurück. Angesichts der andauernden falschen Beschuldigungen habe man ein Hausverbot verhängen müssen. Dieses Hausverbot "wurde der Pfarrgemeinde und den Gottesdienstbesuchern bekannt gegeben", heißt es in einem Schreiben. Weil die Verbannte das Hausverbot nicht beachtet habe, "sind wir leider gezwungen gewesen, einen Ordnerdienst einzurichten". Seither darf die Frau auch nicht mehr zur stillen Andacht. Was die Katholikin aber nicht akzeptiert. Bei der Polizei sind mehrere Auseinandersetzungen an der Kirchenschwelle aktenkundig.

Erich Ehn, Anwalt des Paters, wies darauf hin, dass es der Frau freistünde, in einer anderen der rund 150 Wiener Pfarrkirchen eine Messe mitzufeiern. Was für den Vertreter der Frau, Gunther Gahleithner, "unvereinbar mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens" ist. Er will nun eine Klage einbringen.

In der Erzdiözese Wien war der Fall laut Sprecher Erich Leitenberger bis Montag "noch nicht bekannt". Die Vorwürfe würden geprüft. (DER STANDARD, Print, 4.6.2002)

Michael Simoner
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