Kongress untersucht neue Vorwürfe gegen CIA und FBI

4. Juni 2002, 16:18
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Geheimdienst schafft paramilitärische Einheit für Jagd auf Terroristen - Bush kritisiert Behörden

Washington - Die Meldungen über schwere Pannen bei US-Behörden vor den Terroranschlägen am 11. September reißen nicht ab. Nach Medienberichten vom Dienstag hat der US-Geheimdienst CIA das Bundeskriminalamt FBI entgegen dessen eigener Darstellung bereits im Jänner 2000 auf einen der späteren Flugzeugentführer aufmerksam gemacht. Die "New York Times" zitierte am selben Tag den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak mit den Worten, sein Geheimdienst habe die USA eine Woche vor den Anschlägen vor einer bevorstehenden Terroroperation gewarnt. Unterdessen will die CIA paramilitärische Einheit schaffen, um Terroristen im Ausland zu verfolgen. Auch US-Präsident George W. Bush kritisierte die Versäumnisse von CIA und FBI.

Kongress untersucht Vorwürfe

Die beiden neuen Enthüllungen kamen nur kurz vor dem Beginn einer mit Spannung erwarteten Kongressuntersuchung der Vorwürfe gegen FBI und CIA, die sich seit zwei Wochen häufen. Die für die Geheimdienste zuständigen Ausschüsse von Senat und Abgeordnetenhaus wollten noch am Dienstag zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit einer Serie von Anhörungen beginnen, bei denen auch die Chefs von CIA und FBI, George Tenet, und Robert Mueller, aussagen sollen.

Der republikanische Senator Richard Shelby kündigte eine schonungslose Aufklärung an. Dies sei man dem amerikanischen Volk schuldig. Shelby erwartet nach eigenen Angaben, dass die Hearings noch weitere Pannen, Fehler und Versäumnisse zu Tage fördern werden. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein erklärte, bei den Anhörungen würden Antworten auf "einige sehr harte Fragen" verlangt.

CIA hatte V-Männer in Terrororganisation

Der Zeitung "USA Today" zufolge hat die CIA dem Kongress bereits 350.000 Seiten an schriftlichen Dokumenten über die Ereignisse im Vorfeld des 11. September zugeleitet. Nach Angaben des Blattes geht daraus hervor, dass die USA wenige Wochen vor den Anschlägen selbst Agenten in die Terror-Organisation El Kaida eingeschleust hatten und die Geheimdienste Gespräche mithörten, in denen über einen größeren bevorstehenden Anschlag diskutiert wurde.

Nach Angaben der "New York Times" sagte Mubarak in einem Interview, dass ein eigener Agent aus El-Kaida-Kreisen vor dem 11. September Informationen über eine bevorstehende "Terror-Operation" gegen die USA erhalten habe und amerikanische Geheimdienstler entsprechend gewarnt worden seien. Das Blatt zitierte aber zugleich einen hochrangigen Beamten der CIA mit den Worten, bei seiner Behörde sei keine derartige Warnung eingegangen.

Warnungen missachtet

Ein CIA-Mitarbeiter bestätigte Berichte des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek", wonach hat die CIA bereits im Dezember 1999 von einem im Jänner 2000 geplanten Treffen von Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida in Kuala Lumpur erfahren hatte. Dem Bericht zufolge maßen weder die CIA noch die amerikanische Bundespolizei FBI den Warnungen vor dem 11. September 2001 genug Bedeutung bei. Als erste Reaktion auf die Kritik strukturierte FBI-Direktor Robert Mueller seine Organisation um. Agenten, die befürchten, ihre Informationen könnten im Hauptquartier untergehen, können sich jetzt an ihn persönlich wenden.

Konflikt CIA-FBI

Die CIA widersprach weiter Angaben des FBI, nach denen der Geheimdienst dem Bundeskriminalamt erst im August 2001 Informationen über zwei der späteren Flugzeugentführer zugeleitet habe. US-Medien zitierten einen hochrangigen CIA-Beamten mit den Worten, bereits im Jänner 2000 sei das FBI über einen Mann namens Khalid Almihdhar unterrichtet worden, der an einem mutmaßlichen Terroristentreffen in Malaysia teilgenommen habe und ein "verdächtiges Visum" besitze. Nach FBI-Darstellung traf dagegen erst Ende August 2001 ein CIA-Telegramm mit der Warnung ein.

Bush sagte am Montagabend in Washington, die beiden Behörden müssten besser über potenzielle Terroristen informiert sein, die in die USA einreisen wollten. CIA und FBI sollten ihre Bemühungen im Kampf gegen den Terror verstärken. (APA/AP/dpa)

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