Eine Gratulation

17. Juni 2002, 13:13
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4. Juni 2002

War das nun der echte Helmut Zilk oder war es ein falscher, der dieser Tage eher zu Frommen des Mannes, dem er als Ombudsman dient als zu Nutz der SPÖ deren Spitzenkandidaten Alfred Gusenbauer als Übergangskandidaten qualifizierte? Nicht immer ist das leicht zu entscheiden. Der Ruhm des Namens allein schien mir bisher stets Gewähr, dass sich niemand frevelhaft an der Gestalt des Altbürgermeisters vergreife, und dass auch immer Helmut Zilk drin ist, wo H. Zilk, Innere Stadt drunter steht.

Nein, nicht immer, wie ich dieser Tage erfahren musste. In dieser Kolumne wurde vor einiger Zeit unter dem Titel Einmal im Quartal großzügig aus einem in der Zeitschrift "Augustin" veröffentlichten und mit H. Zilk, Innere Stadt unterfertigten Leserbrief zitiert, in dem sich Unterzeichneter seiner quartalsmäßigen Großzügigkeit rühmte. Er habe einem "Augustin"-Verkäufer nicht nur 100 Euro zugesteckt, sondern ihn kurz später auch noch davon abzuhalten versucht, diese Summe auf einen Sitz zu verfressen.

Kaum vier Wochen später ließ Helmut Zilk mich - und übrigens auch besagte Zeitschrift - wissen, dass er einen solchen Leserbrief an "Augustin - Die erste österreichische Boulevardzeitung" niemals geschrieben hat. Daher sei hiemit festgestellt: Die Tatsachenbehauptung, dass der zitierte Leserbrief von Dr. Zilk stamme, ist unrichtig. Diese Feststellung sei mit aufrichtigem Bedauern getroffen, wobei das Bedauern weniger daher rührt, dass ich mich im Verfasser des Briefes geirrt hätte, sondern dass die Richtigstellung leider offen lässt, ob Helmut Zilk den im Brief festgehaltenen doppelten Beweis seines Caritas nun tatsächlich erbracht hat oder nicht. Und diese Ungewissheit ist quälend.

Denn im Menschen Helmut Zilk habe ich mich, als ich ihn für den Verfasser des Briefes hielt, nicht geirrt. Warum sollte jemand, der sich wiederholt öffentlich - und sogar vor laufenden Fernsehkameras - als praktizierender Christ und tiefgläubiger Mensch geoutet hat, nicht seiner Christenpflicht nachkommen, indem er seine Habe mit den Bedürftigen teilt (ob diese Pflicht mit 100 Euro im Quartal erledigt ist oder nicht, hat uns hier nicht zu interessieren) und diese darüber hinaus noch vor Unmäßigkeit zu bewahren sucht. Nicht viele Bewohner dieses christlichen Landes können sich solcher Werke der Barmherzigkeit rühmen.

Auch der etwas harsche Ton, in dem der Briefschreiber, aber eben nicht der Altbürgermeister, von seiner Empörung über den völlernden "Augustin"-Verkäufer - maßloser Missbrauch meiner Spendenbereitschaft und Gutherzigkeit - berichtete, erscheint aus christlicher Sicht voll gerechtfertigt. Schließlich ging es darum, dem Teufel eine arme Seele zu stehlen, indem man deren Besitzer vor der Todsünde der Völlerei bewahrt.

Unter Berücksichtigung des bekannten altbürgermeisterlichen Temperaments und der Tatsache, dass ein moralischer Vorläufer in der Stadt seines segensreichen Wirkens, der Augustinerbarfüßer Abraham a Santa Clara, noch ganz andere Saiten aufgezogen hätte, um einen "Augustin"-Verkäufer auf den Pfad der Tugend zurückzustoßen, erscheint mir der Mangel an Koinzidenz zwischen H. Zilk, Innere Stadt und Helmut Zilk als solchem in der Tat höchst bedauerlich, ja eigentlich unerklärlich.

Sollte meine Kolumne, auf die sich die Richtigstellung bezieht, in satirische Gewässer geraten sein, dann geschah das nicht, um an einem Monument zu rütteln, sondern zum Gedächtnis des Herrenwortes: "Wenn ihr etwas Gutes tut, dann tut es nicht vor großem Publikum. Sonst braucht ihr ja keinen Lohn mehr bei eurem Vater im Himmel. Wenn du etwas für Bedürftige spendest, verzichte darauf, es auszuposaunen wie die Scheinheiligen in den Synagogen und auf den Straßen, die von den anderen gelobt werden wollen. . . Wenn du etwas spendest, soll deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit die Spende nicht auffällt." (Matthäus 6, 1 - 4).

Vom Makel der Scheinheiligkeit vor großem Publikum wäre Helmut Zilk mit der Richtigstellung, er habe brieflich nichts hinausposaunt, gereinigt. Was die tätige Nächstenliebe an Bedürftigen betrifft, ließ er uns bedauerlicherweise weiterhin im Ungewissen, was schade ist, hätte er sich doch zu seinem 75. Jubelfest in diesen Tagen kein schöneres Geschenk machen können, als es der Anblick eines glücklich, aber bescheiden speisenden "Augustin"-Verkäufers zu bieten vermag. Statt dessen sei ihm von dieser Stelle herzlich gratuliert.

Von Günter Traxler
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