Debatte über Dialog verweigert

3. Juni 2002, 18:39
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Medien und Nord-Süd-Konflikt: CNN und Al-Jazeera fehlten

Welche Rolle spielen Medien beim Dialog zwischen Nord und Süd, zwischen Kulturen und Zivilisationen? Brücke sollten sie sein, heißt es oft am Montag bei einem Expertenseminar in der Hofburg, veranstaltet von Österreichs Außenministerium mit Unterstützung der EU. Wie wenig sie es tatsächlich sind, zeigt sich schon in der ersten Diskussionsrunde.

Al-Jazeera, der Nachrichtensender der arabischen Welt, hatte zugesagt, den Chef seines Newsrooms dafür nach Wien zu schicken. Bei CNN, dem Nachrichtensender der USA, wenn nicht der (westlichen) Welt, sagten alle ab.

Kein Auftreten mit Al-Jazeera

Eugen Freund, ehemaliger US-Korrespondent des ORF mit besten Kontakten nach Atlanta, berichtet bei dem Seminar: Mit Al-Jazeera wolle CNN nicht auftreten.

Hintergrund des Nord-Süd-Konflikts der Sender: CNN, damals Vertragspartner von Al-Jazeera, brachte unabgesprochen ein Interview mit Osama bin Laden, auf das der arabische Mitbewerber alleinige Rechte reklamierte. Seither liegt hier ein neues Konfliktfeld.

Kurzfristig sagte dann noch Al-Jazeera ab. ORF-Redakteur Freund: "Die Abwesenheit beider zeigt, wie notwendig es noch ist, Brücken zu bauen."

Wie die Medien das tun sollten, erklärte ZDF-Manager Gottfried Langenstein sehr persönlich: Sein Vater, Major der deutschen Wehrmacht, blieb in Frankreich schwer verwundet auf einem Feld liegen. Wer ihn aufnahm und mehrere Monate wenn schon nicht gesund, so gehfähig pflegte, war eine Bäuerin. Eine Bäuerin, deren Hof Deutsche fast völlig niedergebrannt, deren Verwandte Deutsche allesamt umgebracht hatten. Plattform für solche Persönlichkeiten müssten die Medien sein, über sie berichten. Und sie müssten analysieren, Konflikte erklären, statt sie nur zu vermelden. (Harald Fidler/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 4.6.2002)

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