Meisterin "täglicher Erschütterungen"

4. Juni 2002, 09:41
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Marlene Streeruwitz erhält "Preis der Stadt Wien" für ihr Lebenswerk

Wien - Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz (51) und der Musiker Franz Koglmann (55) sind am Montag vom Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) mit den mit je 8.000 Euro dotierten Preisen der Stadt Wien 2001 für Musik und Literatur ausgezeichnet worden. Die Laudationes hielten der Komponist Kurt Schwertsik und die Literaturkritikerin Konstanze Fliedl. Die seit 1947 jährlich verliehenen Preise würdigen ein Lebenswerk. Zu den bisherigen PreisträgerInnen zählen unter anderem Friedrich Cerha, Kurt Schwertsik, Györgi Ligeti, Elias Canetti, Heimito von Doderer, H.C. Artmann und Friederike Mayröcker.

Fliedl strich "Empfindlichkeit" und mitunter mit Verzweiflung gemischten "Witz" als wesentliche Qualitäten von Streeruwitz' Sprache hervor, ihre Bücher seien "hochempfindliche Seismographen der täglichen Erschütterungen", Politik und Poetik sei in ihren Texten nicht zu trennen.

Streeruwitz analysierte in ihrer Rede den zunehmenden Bedeutungs- und Symbolverlust von Auszeichnungen in der aktuellen "Seitenblickegesellschaft", die das Ablehnen einer Auszeichnung als "kindisch" abtue, womit "das widerständige Erbe der Ordens- und Preiskritik Thomas Bernhards" "vertan" werde.

Biografisches

Marlene Streeruwitz wurde am 28. Juni 1950 in Baden bei Wien geboren. Nach einem Studium der Slawistik und Kunstgeschichte arbeitete sie ab 1989 am Theater und im Hörfunk, zugleich erschienen ihre ersten Hörspiele "Der Paravant." "Alkmene." und "Urlaub." 1992 gelang ihr mit "Waikiki Beach" der Durchbruch als Theaterautorin. Auf diesen ersten großen Erfolg folgten weitere, darunter "Sloane Square", "Ocean Drive" und "Tolmezzo". Seit 1996 schreibt Streeruwitz auch Prosa - "Verführungen", "Lisas Liebe", "Nachwelt" und zuletzt "Partygirl" zählen zu ihren bekanntesten Romanen. Streeruwitz' Leitthema ist die erstarrte Beziehung zwischen Mann und Frau, ihr "Markenzeichen" ihre extreme, radikale, knappe Sprache. Die Autorin hält Poetik-Vorlesungen in Frankfurt und Tübingen und meldet sich immer wieder auch zu politischen Themen zu Wort.(APA)

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