Den ersten harten Arbeitstag für die Pensionisten schon hinter sich: Reinhart Gaugg.

3. Juni 2002, 18:44
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Eva Linsinger

Reinhart Gaugg windet sich derzeit gern. Ob er sein Mandat zurücklegen wird? - "Kein Kommentar. Das sage ich zum gegebenen Zeitpunkt." Wann das sein werde? - "Kein Kommentar." Was er als Vizegeneraldirektor in der Pensionsversicherung verdienen wird? - "Kein Kommentar."

Diese verbale Zurückhaltung ist ein neuer Zug des reschen Kärntners. Vor seiner umstrittenen und knappen Wahl in den Generaldirektorjob redete Gaugg gern, viel - und sich immer wieder in einen Wirbel: wenn er etwa 1993 ein "Wortspiel" versuchte und Nazi als "neu, attraktiv, zielstrebig, intelligent" buchstabierte. Oder wenn er sich als Botschafter von Jörg Haiders Politik des kleinen Mannes gegen die Ziele der VP-FP-Regierung stellte, die Ambulanzgebühr eine "Maßnahme, die die Leute mehr ärgert, als sie Nutzen bringt" nannte oder das Nulldefizit und die Pensionsreform lautstark anzweifelte.

Derart kernige Verbalattacken, teils garniert mit Untergriffen auf "Millionäre wie Thomas Prinzhorn", gefielen vielleicht in Kärnten - nicht aber der Wiener FPÖ-Spitze. Die goutierte die Wortspenden des renitenten Gaugg so wenig, dass Klubchef Peter Westenthaler ihm vor einem Jahr mit dem Entzug des Sozialsprecherpostens drohte.

Drohte, mehr nicht. Die Nähe zu Haider hat den 48-Jährigen Klagenfurter auch damals gerettet. Eine Nähe, die auf dem Innsbrucker Parteitag 1986 demonstriert wurde, als Gaugg Haider auf seine Schultern hob. Und eine Nähe, die immer wieder bewiesen wurde: Wenn Haider der Wiener Regierung ein beleidigtes "Ich bin schon weg" ausrichtet, assistiert Schildknappe Gaugg mit Attacken auf Westenthaler. Und wenn Westenthaler Gaugg drängt, auf sein Mandat zu verzichten, hält Haider Mandat und Pensionsversicherungsjob für vereinbar.

Schon einmal hatte Gaugg Probleme mit zwei Vollzeitposten: Anfang der 90er wurde er Vizebürgermeister von Klagenfurt und gab seinen Bankjob auf - aber nicht, ohne ein Rückkehrrecht ausgehandelt zu haben. Fünf Jahre später wollte er zurück, die Bank ihn aber nur, wenn er als Vizebürgermeister zurückträte. Gaugg klagte. Die Bank gewann. Ob Gaugg diesmal gewinnt, ob die Hilfe Haiders reicht, sein Mandat zu behalten, ist ungewiss. Ihm jedenfalls würde es schwer fallen, die Politik zu verlassen, sagt Gaugg. Sei er doch Politiker mit "Leib und Herz", ähnlich wie seine politischen Vorbilder: Haider und - Bill Clinton.

Außer Politiker und Pensionsversicherungsgeneraldirektor kann sich der in Klagenfurt verheiratete, zweifache Vater Gaugg nur einen Traumjob vorstellen: Tennisprofi. Ganz hat es dafür nicht gereicht. Aber immerhin spielt der bullige Zigarilloraucher noch heute bei Meisterschaften mit. Mittlerweile in der Seniorenklasse. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2002)


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