Josefstädter Souper zum Abschied

3. Juni 2002, 19:08
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Helmuth Lohners letzte Saison als Direktor der Josefstadt - Hoffnung auf ein entschuldetes Haus

Wien - Helmuth Lohners letzte Saison als Direktor des Josefstadt-Theaters fügt zum Erwarteten das aufreizend Schrullige: Elfriede Ott, Fritz Muliar und Ossy Kolmann werden an einem linden, lauen Kammerspiele-Abend im Dezember, im Anschluss an Nestroys Frühere Verhältnisse, Schnitzlers Abschiedssouper geben - eine Art greisenhafte Liebestollheit. Und doch wird man die Ära Lohner dereinst auch daran messen müssen, dass man nicht öfter zu solchen herrlichen Verwegenheiten Zuflucht genommen hat.
Denn sonst regiert der Sparstift, was Glücksgriffe nicht ausschließt: Joachim Bißmeier wird ab September den Moritz Meister in Thomas Bernhards Über allen Gipfeln ist Ruh' geben, Regie: Wolf-Dietrich Sprenger. In Koproduktion mit Klagenfurt stemmt Dietmar Pflegerl Ibsens Die Wildente; im Dezember gibt Helmuth Lohner höchstselbst Molières Menschenfeind, Regie: Günter Krämer.

Um Schnitzlers raren Fink und Fliederbusch bemüht sich Jürgen Kaizik. Dem dieser Tage viel bemühten Liliom hilft Janusz Kica auf das Ringelspiel. Harold Pinters Der Hausmeister konfrontiert mit Otto Schenk und Martin Zauner zwei Komikergenerationen (Regie: Alexander Waechter), für Tom Stoppards Das einzig Wahre zeichnet Beverly Blankenship als Regisseurin.
Lohners wahre Tragik besteht in einer Erfolgsbilanz, die sich angesichts drückender Bankschulden unerheblich ausnimmt. Der Ausgaben-deckungsbeitrag ist mit 39,17 Prozent geradezu konkurrenzlos. Man verspricht, Hans Gratzer ein entschuldetes Haus zu übergeben.
(poh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.06. 2002)

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