Kaum Wettbewerb auf der Schiene

3. Juni 2002, 19:32
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Lediglich ein halbes Dutzend Unternehmen in Konkurrenz zu den ÖBB unterwegs - Das soll sich bald ändern

Wien - Die Voest in Linz war eines der ersten Unternehmen in Österreich, die sich eine eisenbahnrechtliche Konzession besorgt haben, um Transporte auf der Schiene sozusagen in Eigenregie abzuwickeln. Noch in den Neunziger-jahren, in der Zeit vor der Liberalisierung, war man auf die ÖBB angewiesen. "Das funktionierte manchmal gut, manchmal nicht so gut", heißt es in Linz.

Neben der Voest gibt es noch ein halbes Dutzend Unternehmen, die mit eigenen oder geliehenen Lokomotiven in Konkurrenz zu den ÖBB Waggons durch die Gegend fahren. Der Geschäftsführer der Regulierungsbehörde Schienen Control GmbH, Gerhard Fuhrmann, sprach am Montag bei einer Buchpräsentation im Zusammenhang mit der Bahnliberalisierung von einem "kleinen Pflänzchen, das mühsam wächst."

Von den insgesamt 290 Mio. Euro, die im Vorjahr als Schienenmaut abgeführt wurden, stammten nur 600.000 Euro von neuen Eisenbahnunternehmen. Das sind 0,2 Prozent.

"Übermacht der ÖBB erdrückend"

Vor allem die Industrie moniert immer wieder, dass die "Übermacht der ÖBB" erdrückend sei. Ansuchen um eine Lizenz würden erst gar nicht gestellt, weil man "sowieso keine Chance" habe. Das stellte der Schienenregulator am Montag in Abrede: "Jeder, der fahren will, kann fahren." Fuhrmann sieht eine andere Gefahr heraufdämmern: "In fünf bis zehn Jahren wird es etwa zehn europaweit tätige Eisenbahnunternehmen geben, zu denen hoffentlich auch die ÖBB zählen. Aufzupassen ist, dass es durch Fusionen und Aufkäufe nicht zu einem Oligopol kommt, das dann den Eisenbahnmarkt diktiert."

Totalöffnung 2006

Der im März kommenden Jahres anstehende weitere Liberalisierungsschritt werde neuen Schwung auf die Schiene bringen; für 2006 ist dann die Totalöffnung des Schienen-Güterverkehrsmarktes angesagt - die Zustimmung von EU-Rat und -Parlament vorausgesetzt.

Davon verspricht man sich deutlich mehr Verkehr auf der Schiene. Voraussetzung dafür sei aber, dass der lange Zeit vernachlässigte Bahnausbau rasch in Angriff genommen wird. Anders als bei den im Generalverkehrsplan angeführten Straßenprojekten, für die es eine Finanzierung in Form der Anfang 2004 geplanten elektronischen Maut gibt, hingen die meisten Schienenprojekte jedoch in der Luft, sagte Fuhrmann. Hier sollte man Anleihen bei der Schweiz nehmen, die den Ausbau des Bahnnetzes durch Quersubventionierung von der Straße zur Schiene finanziert. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 4.6.2002)

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