Haider in Berlin ausgeladen

4. Juni 2002, 17:49
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FAZ-Begründung: Kärntner LH habe sich "auf unakzeptable Weise" über Joschka Fischer geäußert

Berlin - Der umstrittene Auftritt des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider beim Europaforum in Berlin fällt aus. Der Kärntner Landeshauptmann sei ausgeladen worden, teilte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) als Mitveranstalterin laut AFP am Dienstag mit. Die FAZ begründete die Absage demnach damit, dass sich Haider "auf unakzeptable Weise über den deutschen Außenminister Joseph Fischer geäußert" habe. Fischer wiederum kommt nun vielleicht doch zu dem Forum. Nach der Ausladung von Haider stehe die Teilnahme des Außenministers wieder zur Debatte, sagte eine Sprecherin des deutschen Außenamtes.

Das Forum "Fazit: Europa" wird von der FAZ, dem DeutschlandRadio Berlin und dem Centrum für angewandte Politikforschung veranstaltet. Haider sollte am Mittwoch zum Thema "Aufstieg des Rechtspopulismus: Was stört die Europäer an Europa?" befragt werden. Darauf hatte Fischer seinen Auftritt abgesagt - was wiederum Haider gegenüber der APA zum Kommentar anregte: "Mir ist es ohnehin lieber, wenn ich nicht zu einem Termin komme, an dem auch jemand teilnimmt, der offene Sympathien für den Terrorismus hegt."

Eine weitere geplante Veranstaltung mit Haider am Donnerstag in Frankfurt war nach Protesten bereits am Montag abgesagt worden.

Für Haider "Kniefall der FAZ vor Fischer"

Die Ausladung Jörg Haiders durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ sei ein "Kniefall" der Zeitung von dem deutschen Außenminister, erklärte am Dienstag Haiders Sprecher Karl Heinz Petritz in einem Fax an FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher.

Die Aussagen des Kärntner Landeshauptmann über Joschka Fischer seien "keineswegs invektive, sondern eine Tatsachenfeststellung", hieß es in dem Schreiben an die deutsche Zeitung, die gemeinsam mit dem DeutschlandRadio Berlin und dem Zentrum für angewandte Politikforschung das Forum "Fazit: Europa" veranstaltet. Fischer habe sich stets als Sympathisant der deutschen RAF-Szene gesehen und auch als Anführer der ungerechtfertigten EU-Sanktionen zu den notorischen Österreich-Beschimpfern gezählt.

Haider: Meinungsfreiheit "bejammernswert"

Die Rücknahme der Einladung an Haider sei zutiefst befremdend, die FAZ ignoriere "auf linke Zurufe hin" das Grundrecht der Meinungsfreiheit und verhindere damit auch einen interessanten und offenen Meinungsaustausch über Europa.

Es sei bekannt, dass Joschka Fischer nicht nur ein gewalttätiger Demonstrant gewesen sei, der mit Prügeln auf Menschen losgegangen sei, sondern stets offene Sympathien für die RAF-Terroristen gezeigt habe, erklärte Haider. Dass er ausgeladen werde, lasse ihn kalt. Er könne und werde Fischer nicht respektieren. Angst vor einer neuerlichen Außenseiterrolle Österreichs sei nicht angebracht, man müsse die Wahrheit sagen dürfen. Die Beziehungen zu Deutschland sieht Haider nicht belastet, dort würden viele Menschen so denken wie er. Die Ausladung durch die FAZ zeige, in welchem "bejammernswertem Zustand" die Meinungsfreiheit in Deutschland sei, unterstrich Haider.

Fischer nimmt am Berliner Europaforum teil

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat nach der Ausladung des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (F) seine Teilnahme an einem Europa-Forum in Berlin am Dienstag wieder zugesagt. Fischer hatte seine Teilnahme am Forum "Fazit: Europa" am Montag abgesagt, weil auch Haider eingeladen worden war. Nachdem Haider daraufhin Fischer als Terror-Sympathisanten geschmäht hatte, war er am Dienstag von den Organisatoren wieder ausgeladen worden.

(APA/AP/dpa)

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