Zu viele Spitäler und zu viele Krankenbetten

3. Juni 2002, 17:24
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Gesundheitsökonomin sieht Einsparpotenzial

Wien - "Österreich hat zu viele Spitäler und zu viele Betten. Man muss ganze Krankenanstalten zusperren, mit dem Schließen einzelner Abteilungen wird es nicht getan sein." Die Gesundheitsökonomin Maria M. Hofmarcher vom Institut für Höhere Studien (IHS) weist im Standard- Gespräch auf noch ungenutzte Effizienz- und somit Sparpotenziale in der heimischen Spitalslandschaft hin - und registriert mit einiger Verwunderung, dass in den gesundheitspolitischen Debatten auf diesen Bereich meist vergessen wird.

Hofmarcher untermauert ihre Forderung mit Zahlen: Österreich hat die höchste Aufnahmerate in Akutspitalsbetten im westeuropäischen Raum (1998: 30 Prozent). Mit 706 Akutbetten pro 100.000 Einwohnern liegt die Akutbettendichte deutlich über jener in Vergleichsländern (EU- Schnitt: 423). Die Bettenauslastung sinkt seit 20 Jahren und betrug 2000 nur 75,5 Prozent (EU-Schnitt: 77 Prozent).

"Ökonomisch betrachtet sind die Spitäler der große Brocken bei den Gesundheitskosten", sagt Hofmarcher - umso wichtiger wären Effizienzsteigerungen. Der notwendige Bettenabbau passiere aber nur schleppend.

Eine - auch aufgrund der veränderten Bevölkerungsstruktur - gebotene Alternative für "überzählige", unrentable oder schlecht ausgelastete Abteilungen seien "Umwidmungen", sagt Hofmarcher. So werde der Bedarf an geriatrischer Remobilisierung enorm steigen.

"Nicht gut nachvollziehbar", formuliert Hofmarcher elegant, sei auch, warum Fachärzte - und sei es nur projektbezogen - nicht in Spitalsambulanzen arbeiten dürften. Sie spricht sich ganz klar für neue Formen des "public- private-partnership" zwischen Spitälern und Fachärzten aus. Die sehr gut ausgestatteten Spitalsambulanzen wären so besser ausgelastet, die Fachärzte müssten sich nicht eine teure Parallelstruktur privat anschaffen, sondern eine "Benutzerabgabe" an das Spital zahlen. Die Patienten hätten das volle Behandlungsangebot zur Verfügung, zugleich könnte man die durch Studien bestätigten teuren Doppel- und Mehrfachuntersuchungen besser kontrollieren, was auch die Krankenkassen billiger käme. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2002)

Lisa Nimmervoll
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