Österreichische EmigrantInnen berichten über den Gang ins Exil

3. Juni 2002, 16:53
posten
Wien - Die österreichische Gesellschaft für Literatur lädt im Rahmenprogramm ihrer 40-Jahr-Feier am 6. und 7. Juni zum Symposium "Literatur und Wissenschaft in der Emigration" ins Palais Wilczek. Die ReferentInnen sind sieben zum Teil in Wien geborene AutorInnen und WissenschafterInnen, die während des Zweiten Weltkrieges emigrieren mussten. Am Programm stehen laut Aussendung Referate über Exilliteratur, publizistische Auseinandersetzungen mit dem "alten" und dem "neuen" Österreich, und die "Schwierigkeit des Umgangs mit der Sprache ihrer Mörder". Der Eintritt für Besucher ist frei.

Zur Eröffnung am 6. Juni um 17 Uhr spricht die seit 1945 in den USA lebende Literaturwissenschafterin Susan E. Cernyak-Spatz, die weltweit zu den besten Kennern der so genannten "Holocaust-Literatur" gehört. Von ihr stammt das Motto-gebende Zitat der Einladung: "Zu diesem Symposium eingeladen zu sein, ist eine große Ehre, aber ich hätte gern auf diese Ehre verzichtet, wenn ich meine Heimat nie hätte verlassen müssen". Danach spricht der ebenfalls in den USA lebende Literaturwissenschafter Egon Schwarz, von dem in deutscher Sprache zuletzt erschien: "Ich bin kein Freund allgemeiner Urteile über ganze Völker. Essays über österreichische, deutsche und jüdische Kultur"(Hrsg. von D. Goltschnigg und H. Steinecke, 2000). In der Abendveranstaltung ab 19.30 Uhr liest der in Jerusalem lebende Schriftsteller Elazar Benyoetz aus seinem Buch "Allerwegsdahin. Mein Weg als Jude und Israeli ins Deutsche".

Den nächsten Symposiumstag am 7. Juni (17 Uhr) eröffnet der deutsche Autor und Kritiker Rüdiger Görner. Er veröffentlichte zuletzt "Grenzen, Schwellen, Übergänge. Zur Poetik des Transitorischen". Ihm folgt mit Evelyn Torton-Beck eine der wichtigsten Vertreterinnen feministischer Literaturwissenschaft. Sie lebt in den USA, und übersetzte u.a. die Literatur Isaac B. Singers aus dem Jiddischen ins Englische. Danach referiert der in den USA lebende Kafka-Experte Walter H. Sokel, und den Abschluss macht der in Südamerika lebende Autor und Journalist Fritz Kalmar, von dem zuletzt "Von lauten und leisen Leuten"(2001) erschien. Er wurde vergangene Woche mit dem Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil 2002 ausgezeichnet. (APA)

Zweitägiges Symposium "Literatur und Wissenschaft in der Emigration", 6. Juni 17-19 Uhr, Abendveranstaltung 19.30 Uhr, 7. Juni 17-21 Uhr

Österreichische Gesellschaft für Literatur, Wien 1, Herrengasse 5, Tel. 01-533 81 59

Eintritt frei
Share if you care.