Italien: Streit um gleichgeschlechtliches Paar

3. Juni 2002, 17:16
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Zwei Männer kämpfen um die Legalisierung ihrer Ehe

Rom - Ein italienisches Homosexuellen-Paar, das sich an diesem Wochenende in Den Haag das "Ja-Wort" gegeben hat, sorgt für Aufruhr in Rom. Antonio Garullo und Mario Ottocento sind die ersten italienischen Homosexuellen, die in den Niederlanden geheiratet haben, dem ersten Staat der Welt, der Schwulen und Lesben die standesamtliche Eheschließung und die Adoption von Kindern erlaubt. Die beiden Italiener wollen nun eine Kampagne starten, um zur rechtlichen Anerkennung ihrer Ehe in Italien zu kommen.

"Wir wollen den Kampf vieler Homosexueller in Italien unterstützen. Unsere Hoffnung ist, dass auch bei uns die Ehe unter Schwulen anerkannt wird", sagte Garullo, der wie sein Partner aus der Stadt Latina südlich von Rom stammt. Trauzeuge war der Präsident des italienischen Verbands "Arcigay", Franco Grillini, der dem römischen Parlament ein stark umstrittenes Gesetzprojekt zur Anerkennung der Homosexuellen-Ehen eingereicht hat.

"Folkloristische Initiative"

Gegen die legale Anerkennung der ersten Homosexuellenehe in Italien wehrt sich der Staatsanwalt von Latina, Antonio Gagliardi. Er bezeichnete die Zeremonie in den Haag als "folkloristische Initiative". In Italien werde diese Ehe niemals anerkannt werden, "da unsere Verfassung die traditionelle Familie als Eckpfeiler der Gesellschaft schützt", sagte der Staatsanwalt.

Das Paar lässt sich vom Widerstand des Staatsanwalts ihrer Stadt nicht einschüchtern. "Sollte unsere Ehe in Italien nicht anerkannt werden, sind wir bereit, uns an den Straßburger Gerichtshof zu wenden. Unsere Rechte müssen respektiert werden", sagte Garullo.

Ehe-Gesetzgebung ist nationale Angelegenheit

Der Streit rund um die erste Homosexuellen-Ehe in Italien beschäftigt sogar Europaminister Rocco Buttiglione, einen Politiker der katholischen Kleinpartei UDC (Christdemokratische Union). Der Minister schloss aus, dass der Einsatz des Paares in Straßburg erfolgreich sein könnte. "Die Gesetzgebung im Bereich Eheschließung ist eine exklusive Kompetenz des nationalen Staates und muss es auch bleiben", so Buttiglione. Die niederländische Regierung, die die Homosexuellen-Ehe legalisiert habe, sei von den Wählern bei den letzten Wahlen bestraft worden, fügte er hinzu. (APA)

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