Michael Aufhauser – ein Mann, der bewegt

3. Juni 2002, 14:49
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Er ist eine neue Größe im Land Salzburg – und hat mit seinen spektakulären Tierschutz-Aktionen allein im letzten Jahr 100 Millionen Menschen erreicht.

Er hatte große Auftritte in Karl Moiks Musikantenstadl und Doppelseiten in der Kronen Zeitung. Bei seinen Events auf Gut Aiderbichl in Eugendorf tummelt sich Prominenz wie bei einem Staatsempfang: Ralf Schumacher hat sein Pferd bei ihm eingestellt, Landesräte und Landeshauptleute besuchen ihn regelmäßig, und die Fernsehteams aus aller Welt wird er sowieso nicht los.
Kein Zweifel: Michael Aufhauser ist der prominenteste Tierschützer Österreichs. Sein im Dezember 2000 eröffneter Gnadenhof Gut Aiderbichl in Eugendorf – der in nur neun Monaten Bauzeit entstand und heute über 100 Haustiere beherbergt – ist dabei nur die Bühne für seine medialen Auftritte, sein Schaufenster, aber nicht sein Thema. In Aiderbichl steht jedes Tier nicht für sich selbst, sondern – wie ein Diplomat – stellvertretend für seine Gattung, ja, für die Tiere schlechthin. Um diese geht es Michael Aufhauser in Wahrheit: Er will die verlorene Würde des Tieres wiederherstellen.
Ein Sisyphus-Projekt? Mag sein – jedenfalls ein titanisches Vorhaben in einer Welt, in der täglich Millionen von Tieren rund um den Globus transportiert werden und die Landwirtschaft zum größten Industriesegment geworden ist, an der sich keine Polit-Lobby der Welt mehr die Finger verbrennen mag.

Botschafter würdigen Lebens

Der 50jährige beschreibt das Schlüsselerlebnis, das ihn sein Leben völlig umkrempeln und dem Tierschutz zuwenden ließ: „Bei einem Aufenthalt in Spanien vor etwa zwölf Jahren beobachtete ich Hundefänger, die in Hinterhöfen und auf der Straße die Tiere einsammelten, um sie anschließend in Gaskammern qualvoll zu töten.“ Das Entsetzen über die grausame „Entsorgung“ der Tiere war so groß, daß sich der Sproß einer Industriellenfamilie mit 45 Jahren von seinem egomanen Leben, wie er es selber nennt, verabschiedete – und seither für das Wohl der Tiere kämpft, und zwar mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Das sind einerseits beträchtliche finanzielle Mittel, noch wichtiger aber ist sein Know-how und seine Kenntnis darüber, wie man in einer modernen Informationsgesellschaft Projekte und Ideen verwirklicht. Als erfolgreicher Industrie- und Tourismusmanager hat er die Mechanismen der Marktwirtschaft kennengelernt und durchschaut – nun setzt er dieses Wissen dazu ein, Tieren zu helfen.

Tierschutz neuer Art

Es ist ein nicht ganz alltägliche Form des Tierschtuzes, den Michael Aufhauser dabei praktiziert. Er ist kein extremer Tierschützer, der jedes Ei unter Naturschutz stellen und jegliche Schlachtung verbieten möchte. Keineswegs: Menschen haben immer Tiere gegessen, sagt er, und es sei eine naive Illusion, zu glauben, daß man alle Schlachthöfe schließen könnte. „Die Menschheit wird sich auch in Zukunft von Tieren ernähren, aber man muß es so tun und organisieren, daß Tiere ihre Würde als Mitgeschöpfe behalten – und der Mensch seine moralische Integrität. Die haben wir im Moment – was Tierhaltung, Tiertransporte usw. betrifft – leider verloren.“ Aufhausers Instrumente sind im wesentlichen der „Förderkreis für Tierrechte e. V.“ und seiner „Privatstiftung für Tierrechte“. Diese stellen nicht nur das Bestehen von Gut Aiderbichl für die nächsten 200 Jahre sicher, sondern sie finanzieren auch seine wichtigsten Vorhaben: nämlich großangelegte juristische Studien über die internationale Gesetzeslage in den Bereichen Landwirtschaft, Tiertransporte, Tierschutz und Nutztierhaltung durchzuführen. „Solche Studien“, erklärt Michael Aufhauser, „würden auch meine finanziellen Möglichkeiten bei weitem übersteigen. Dutzende Juristen in vielen Ländern der Welt arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, und sie werden das noch viele Jahre tun. Doch die Ergebnisse werden später die Grundlage für alle unsere weiteren Projekte sein.“
Michael Aufhauser weiß sehr wohl, worauf er sich eingelassen hat – doch sein Optimismus ist ungebrochen: „Ich weiß, 90 Prozent der Menschen wollen weder tierquälerische Haltung noch grausame Transporte. Um diese Menschen zu erreichen, brauche ich die Medien – und die brauchen ihrerseits Prominenz und Events, um über etwas berichten zu können. Und die Unterstützung, die wir von den Medien bislang bekommen haben, ist einfach überwältigend.“

Mitgeschöpf Tier

Nach zwei Jahren hart(näckig)er Arbeit ist es Michael Aufhauser gelungen, „Tiere als Mitgeschöpfe“ in die Verfassung des Landes Salzburg aufzunehmen. Der Antrag wurde von allen vier (!) Parteien eingebracht und darf als richtungsweisender Sieg gefeiert werden. Doch der Tierliebhaber hat noch viel mehr vor: Er möchte den Bauern helfen und sein Wissen bei der Vermarktung landwirtschaftlicher Qualitätsprodukte einbringen. Die Abschaffung der Schlachtpferdetransporte ist ihm eine Herzensangelegenheit, ebenso die fundierte Ausbildung von Metzgern. Denn Hilfskräfte ohne Qualifikation können keinen schonenden und streßfreien Schlachtvorgang ausführen, der ein weiteres Anliegen Aufhausers darstellt. Befragt nach seinem größten Wunsch bzw. seinem wichtigsten Ziel, das er in den nächsten zehn bis 20 Jahren erreichen möchte, antwortet Michael Aufhauser: „Sie werden überrascht sein: Ich würde am liebsten die Anzahl der Haustiere halbieren. Das wäre für mich der größte Erfolg. Nur passionierten und entsprechend fachkundigen Tierhaltern soll es erlaubt sein, Tiere zu halten.“ Auch das ist eine nicht ganz alltägliche Antwort – aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt, hat er eigentlich auch dabei recht, der Michael Aufhauser.
Leo Pingitzer

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    Der Top-Manager und Millionär Michael Aufhauser hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Tieren ihre Würde in unserer Gesellschaft zurückzugeben.

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