Rolle der Medien im Zentrum des Wiener Euro-Med-Dialogs

3. Juni 2002, 15:04
posten

Themenkreisen Fernsehen, Printmedien und Literatur

In drei Round-Tables befassen sich die Medienexperten auf der Wiener Tagung des Euro-Mediterranen-Dialogs mit den Themenkreisen Fernsehen, Printmedien und Literatur. Die Diskussion zum Thema Fernsehen drehte sich vor allem um die Rolle der mächtigen Nachrichtensender CNN und "Al Jazeera". Allerdings hatte keiner der beiden TV-Stationen einen Vertreter entsandt.

Ferrero-Waldner bedauerte dies: "Eine offene Aussprache der Medien mitzumachen, wäre wichtig gewesen." CNN habe "von Anfang an kein großes Interesse" gezeigt, das arabische Pendant sagte im letzten Moment ab. Tatsache ist, dass es zwischen den beiden Networks Differenzen gibt, seit "Al Jazeera" trotz eines mit CNN geschlossenen Abkommens weiter Videos mit Terror-Chef Osama bin Laden veröffentlicht hat.

"Der Süden existiert bereits in Westeuropa"

Der frühere UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali hat an die Europäer appelliert, sich der Nord-Süd-Problematik zu stellen. Die Europäische Union habe ihre ganze Aufmerksamkeit auf Osteuropa konzentriert und dem Süden nicht genug Augenmerk geschenkt, warnte Boutros-Ghali am Montag auf einer Pressekonferenz in Wien anlässlich des Euro-Mediterranen-Dialogs über die Rolle der Medien. "Der Süden existiert bereits in Westeuropa", erklärte der ägyptische Politiker unter Hinweis auf den hohen Bevölkerungsanteil aus Nordafrika und Nahost sowie den Bevölkerungsrückgang in den europäischen Staaten.

Ferrero-Waldner: "Ethische Verantwortung" für Medien

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) unterstrich die Notwendigkeit des Dialogs, die seit den Anschlägen vom 11. September noch offenkundiger geworden sei. "Europa hat eine große Verantwortung in diesem Raum", erklärte sie. Es gehe darum, bei aller Vielfalt die Gemeinsamkeiten zu suchen. Den Medien als Akteuren im Dialog zwischen den Kulturen und Zivilisationen komme besondere Bedeutung zu. Die Antwort auf die Tätigkeit der Medien dürfe nicht Zensur sein, betonte die Ministerin in ihrer Rede. Die meisten Medien sind "Unternehmen, und müssen den Regeln des Marktes folgen". Doch gebe es "eine ethische Verantwortung für geistige Ehrlichkeit und Wahrheit", so Ferrero-Waldner. (APA/red)

Share if you care.