Effektive Hilfe 365 Tage im Jahr

3. Juni 2002, 14:19
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Die Frauenhelpline gegen Männergewalt verzeichnete 41.500 Anrufe in drei Jahren

Wien - Zum dreijährigen Bestehen der Frauenhelpline zog die Organisation am Montag im Wien Bilanz. 41.500 Anrufenden wurde geholfen, in 8.300 Fällen musste wegen einem akuten Gewaltproblem sofort interveniert werden, erklärte die Leiterin, Maria Rösslhumer. Initiiert wurde die Telefonhilfe, die 365 Tage rund um die Uhr erreichbar ist, vom damaligen Frauenministerium.

Bekanntheitsgrad steigern

Nach einer kurzen Probezeit wurde die Organisation fix installiert. Allerdings sei die Telefonnummer noch nicht in ganz Österreich bekannt: "Wie alle anderen Notrufnummern sollte sie in jedem Haushalt griffbereit liegen", erklärte Rösslhumer das Ziel. Mit sieben Teilzeitkräften und einem Budget von 281.000 Euro pro Jahr verrichtet die Organisation ihre Beraterinnentätigkeit.

Eine wichtige Aufgabe bei den Gesprächen sei, den Anruferinnen Mut zu machen, erklärte Maria Lebbihiat-Müller. Oft müsse gegen Gewissensbisse angekämpft werden.

Das Spektrum der Hilfs- und Beratungstätigkeit zeigte Gabriele Leuthner-List. Viele Frauen würden auch Rat suchen, weil sie Angst vor wirtschaftlichen Problemen bei einer Trennung haben. Dazu komme der Druck der Familie, "du nimmst den Kindern den Vater". Aber auch rechtliche und medizinische Ratschläge würden gegeben.

Mehr als ein Viertel der Anrufe (27 Prozent) erreiche die Hotline dann, wenn alle anderen Hilfestellen nicht erreichbar sind, also in den Nachtstunden oder an den Wochenenden, berichtete Claudia Kuba. 51 Prozent der Anruferinnen seien zwischen zwölf und 18 Jahre alt, die "Hauptzeit" der Anrufe sei an Wochentagen von 12.00 bis 18.00 Uhr.

Vorbildhaft

Für viele europäische Länder ist das österreichische Modell ein Vorbild, sagte Rösslhumer. Ein ähnliches System mit dem Namen SOS-Hotline gibt es aber in Slowenien. Neben der Helpline werde noch ein Frauenhaus und eine Selbsthilfegruppe betreut, berichtete Maja Plaz von dieser Organisation. Laut Schätzungen sei jede fünfte Frau von Gewalt bedroht, jede siebente sei vergewaltigt worden.

Eine "effektive Hilfe zu richtigen Zeitpunkt geben", beschrieb Marlies Leitner von der Interventionsstelle Niederösterreich die Aufgabe der Telefonhotline. Sie stelle eine wichtige Ergänzung zu den Interventionsstellen dar. Entscheidend sei aber, "dass Gewalt geächtet wird". (APA)

Frauenhelpline 0800-222-555,
im Internet unter frauenhelpline
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