Geschützter Zeuge verweigert Aussage im Milosevic-Prozess

3. Juni 2002, 13:46
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"K12" hatte Angst vor Verwechslung - Anklage fürchtet Scheitern des Prozesses

Belgrad/Den Haag - Ein geschützter Zeuge, der im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal aussagen sollte, hat es sich am Montag anders überlegt. Der Zeuge, der unter der Bezeichnung "K12" zu den Ereignissen in Serbien im Jahre 1999 berichten sollte, hat es abgelehnt, die Fragen des Tribunalsanklägers Geoffrey Nice zu beantworten. "Ich kann nicht antworten, um nicht verwechselt zu werden", erwiderte er die Frage von Nice im Hinblick auf die Ereignisse, die in seinem Haus im Jahr 1999 passiert sein sollten.

Für die TV-Zuschauer war der Zeuge, der zuvor bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte, nicht zu erkennen. An der Stimme konnte man allerdings erkennen, dass er beunruhigt war. Ein Belgrader TV-Sender überträgt den Milosevic-Prozess immer noch direkt.

Erster Zeuge, der Aussage verweigert

"Warum sind sie so eigensinnig, können sie nicht verstehen, dass ich nicht kollaborieren will", erwiderte der Zeuge auf die anhaltenden Bemühungen des Anklägers, die Frage doch zu beantworten. Es handelt sich um den ersten Zeugen, der seit Prozessbeginn am 12. Februar die Aussage verweigert.

Ankläger Nice hatte am letzten Freitag seiner Befürchtung Ausdruck gegeben, dass der Prozess gegen Milosevic wegen Kriegsverbrechen im Kosovo scheitern dürfte, sollte die Anklage nicht die Möglichkeit bekommen, die geplanten Zeugen vorzuführen. Die Richter hatten die Anklage zuvor aufgefordert, die Beweisführung in dieser Sache bis Ende Juli abzuschließen. Dies dürfte dazu führen, dass die geplante Zahl von rund 90 Belastungszeugen reduziert werden müsste.

Fehlschlag der Anklage

Als ein Fehlschlag der Anklage hatte sich neulich auch der Belastungszeuge Ratomir Tanic erwiesen. Der ehemalige Spitzenfunktionär der Partei "Neue Demokratie", des Koalitionspartners von Milosevic, wurde als "Insider" präsentiert, wirkte aber bei seiner Aussage vor dem Tribunal äußerst unglaubwürdig.(APA)

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