Gnadenfrist für KPNQwest-Netz

3. Juni 2002, 17:50
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Betrieb scheint für vier weitere Wochen gesichert, Käufer dringend gesucht

Die Gefahr eines Ausfalls des KPNQwest-Netzes, eines der großen europäischen Kabelnetz- und Internetbetreiber, der am Freitag Konkurs anmeldete, scheint zumindest vorerst gebannt.

Geld

Es sei genug Geld vorhanden, um die Brüsseler Netzwerkzentrale vier Wochen in Betrieb zu halten, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber dem IT-Nachrichtendienst heise online.

Alles offen

In Wien sagte hingegen eine Sprecherin gegenüber dem STANDARD, es sei "alles offen", und man sei mit Partnern in Verhandlungen, um den Betrieb zu sichern.

Zugeschossen

Sonntagnachmittag soll das niederländische Telekomunternehmen KPN, 40-Prozent- Eigentümer von KPNQwest, auf Druck von Großkunden Geld für die Aufrechterhaltung des Betriebes zugeschossen haben, berichtete das "Wall Street Journal". Die beiden Haupteigentümer, KPN und der US-Kabelkonzern Qwest, sind selbst hoch verschuldet.

Käufer gesucht

KPNQwest suche weiterhin nach Käufern für die Konzernbestandteile. Verhandlungen mit dem US Telekomkonzern AT&T blieben bisher ergebnislos, dennoch sei AT&T der wahrscheinlichste Käufer. Probleme mit einer Betriebseinstellung hätten nicht nur die unmittelbaren Kunden von KPNQwest, sondern wahrscheinlich fast alle Internetbenutzer.

"KPNQwest-frei"

"Die meisten Internetprovider greifen auf Leitungen von KPNQwest für ihre Dienste zurück", sagt Gerald Eigelsreiter, österreichischer Geschäftsführer von Cable&Wireless. Der an der Londoner Börse notierende Kabelnetzbetreiber ist einer der größten Konkurrenten von KPNQwest in Europa und soll nach eigenen Angaben "KPNQwest-frei" sein.

Etwa die Hälfte

Etwa die Hälfte der Kapazität, die über Österreichs Landesgrenzen geht, würde durch KPNQwest-Leitungen bedient werden, schätzt Eigelsreiter.

Auswirkungen auf einen Netzstillstand würden nicht nur Internet-, sondern auch Telefonkunden spüren, da auch Telekoms einen Teil des Sprachverkehrs über diese Leitungen abwickeln.

Kaum Gewähr auf Ausfallssicherheit

Der Datenverkehr ist so stark verwickelt, dass selbst auf Sicherheit bedachte Kunden, die ihre Internetanbindung über zwei Provider absichern, kaum Gewähr auf Ausfallssicherheit haben. Ein Wiener Unternehmen etwa, das sowohl Kunde bei KPNQwest als auch bei Above.net ist, musste bei einer Prüfung feststellen, dass auch Above.net mit Leitungen von KPNQwest arbeitet. Eine Betriebseinstellung von KPNQwest würde auch das "Fangnetz" rissig machen

Notwendige Marktbereinigung

Eigelsreiter nannte Cable& Wireless als einen der Interessenten für Netzbestandteile oder Landesgesellschaften von KPNQwest. Er sieht in dem Konkurs eine notwendige Marktbereinigung: Die Anbieter hätten sich mit Preisen unterboten, die "nicht darstellbar waren". Auf Kundenseite gebe es nunmehr mehr Bewusstsein, dass für eine sichere Leistung auch höhere Kosten anfallen würden. (Helmut Spudich - DER STANDARD Printausgabe, 3.6.2002)

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