Sharon will Saadat-Freilassung nicht zulassen

3. Juni 2002, 17:02
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Palästinensisches Gericht ordnet Freilassung an - PFLP-Führer wird für Zeevi-Mord verantwortlich gemacht

Jerusalem/Gaza - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon will nicht zulassen, dass der Chef der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat, auf freien Fuß gesetzt wird. Nach einer Freilassungsverfügung des Obersten Gerichtshofes der autonomen Palästinenser-Gebiete für Saadat sagte Sharon am Montag in Jersualem: "Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um es nicht zu ermöglichen, dass eine Person frei gelassen wird, der in Mord verwickelt gewesen ist, der Mord befohlen hat und dessen Organisation bis zum heutigen Tag Morde begeht." Sharon sagte nicht, was unternommen werden soll.

Die PFLP hatte sich zur Ermordung eines israelischen Ministers im Oktober 2002 bekannt, mit der sie den Tod ihres damaligen Anführers bei einem israelischen Angriff rächen wollte. Saadat ist einer von sechs Palästinensern, der unter britischer und amerikanischer Bewachung in Untersuchungshaft in einem Gefängnis in Jericho sitzt. Ihre Inhaftierung gehört zu einer Kompromissvereinbarung, mit der Israel im Mai den Hausarrest des Palästinenserpräsidenten Yasser Arafat beendete. Sie hatten sich in Arafats Amtssitz in Ramallah aufgehalten. Ursprünglich hatte Israel die Auslieferung der Ministermörder und ihrer Hintermänner verlangt.

Die PFLP war für die Ermordung des ultrarechten israelischen Tourismusministers Rehavam Zeevi im Oktober vergangenen Jahres verantwortlich. Saadat und vier weitere Mitglieder seiner Organisation waren deshalb von der palästinensischen Autonomiebehörde (PNA) festgenommen worden. Der PFLP-Führer Abu Ali Mustafa (eigentlich Mustafa Sibri) war im August des Vorjahres durch einen gezielten israelischen Raketenangriff getötet worden.

Gegründet wurde die PFLP 1967 von dem christlichen Kinderarzt Georges Habash. Ideologisch richtet sie sich am Marxismus-Leninismus aus und verfolgt eine weitaus rücksichtslossere Strategie als die Fatah von Präsident Yasser Arafat. Habash brachte die PFLP 1993 in offenen Gegensatz zu Arafat, der auf eine Verhandlungslösung mit den Israelis setzte. Einzig "revolutionäre Gewalt" und ein ständiger Blutzoll könnten den "Fremdkörper" Israel zum Zurückweichen zwingen, befand der PFLP-Kongress in Damaskus. Ungeachtet neuer Kontakte zu Arafat blieb auch Mustafa bei dieser Linie, nachdem ihm Habash im Juli 2000 sein Amt übergeben hatte.(APA/AP/Reuters)

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