Deutscher Friedenspreis an Chinua Achebe

6. Juni 2002, 19:53
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Der nigerianische Schriftsteller gilt als Vater der afrikanischen Gegenwartsliteratur

Frankfurt/Main - Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesen Jahr an den nigerianischen Schriftsteller Chinua Achebe. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montag in Frankfurt mit. Achebes zentrales Thema sei, "Frieden in Regionen herzustellen, die einem permanenten Kulturkonflikt ausgesetzt sind", hieß es zur Begründung. Mit dem in den USA lebenden Achebe ehre der Buchhandel zugleich einen großen Erzähler. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wird ihm am 13. Oktober während der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche überreicht.

Auswirkungen der Kolonialisierung

Der 71-jährige Achebe ist nach dem früheren senegalesischen Staatspräsidenten Leopold Senghor 1968 und der algerischen Autorin Assia Djebar im Jahr 2000 ist Achebe der dritte Preisträger vom afrikanischen Kontinent. Er gilt als Vater der modernen afrikanischen Literatur und als einer der bedeutendsten postkolonialen Schriftsteller. In seinen bisher fünf Romanen sowie zahlreichen Gedichten, Kurzgeschichten und Essays beschäftigt er sich mit den Auswirkungen der britischen Kolonialisierung auf die afrikanische Gesellschaft. Er schildert den Zusammenprall der afrikanischen mit der europäischen Kultur und den damit einhergehenden Werteverfall in Afrika.

Klassiker afrikanischer Gegenwartsliteratur

Achebe lehrte zuletzt am Bard College in Annandale-on-Hudson im Staat New York, wo er auch lebt. Schon sein erster, 1958 in London erschienener Roman "Things fall apart" (deutsch 1959: "Okonkwo oder Das Alte stürzt") verschaffte ihm weltweiten Ruhm und wurde - in rund 50 Sprachen übersetzt - zum Klassiker afrikanischer Gegenwartsliteratur. Das Buch ist Pflichtlektüre an Schulen und Universitäten.

Kräftige und zugleich subtile Stimme Afrikas

"Der Buchhandel ehrt mit Chinua Achebe eine der kräftigsten und zugleich subtilsten Stimmen Afrikas in der Literatur des 20. Jahrhunderts, einen unnachgiebigen Lehrer und Moralisten und vor allem einen großen Erzähler", urteilte die Friedenspreis-Jury. "Er gilt unangefochten als Begründer der authentischen englischsprachigen Romantradition Westafrikas. Sein Stil ist stark geprägt durch die orale Erzählkunst seines Volkes, der er damit ein Denkmal setzt." (APA/dpa)

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