"Regeln der Disziplin nicht des Glaubens"

13. Juni 2002, 12:30
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Kandidatinnen der Priesterinnen-Weihe bleiben unbeeindruckt vom Vorwurf des Regelverstoßes

Linz - "Wir wollen uns nicht außerhalb der Kirche stellen und wir wollen unter keinen Umständen eine Kirchenspaltung oder eine neue Kirche" - dies betont Christine Mayr-Lumetzberger, die Sprecherin jener Gruppe von Frauen, die sich am 29. Juni zu Priesterinnen der katholischen Kirche weihen lassen wollen.

In einem Interview mit ORF-Radio Oberösterreich betonte Mayr-Lumetzberger - eine frühere Nonne, die inzwischen verheiratet ist und als Lehrerin arbeitet -, man habe den "jetzt entstandenen Wirbel in keinster Weise beabsichtigt". Die Vorbereitungen für die "Frauen-Weihe" sollten "in aller Stille vor sich gehen".

Viele positive Reaktionen

Es mag sein, dass mit dieser Weihe kirchliche "Regeln" verletzt werden, "aber es sind Regeln der Disziplin, nicht des Glaubens", so Mayr-Lumetzberger. Die Weihekandidatinnen hätten auch zahlreiche positive Reaktionen erfahren, "viele Menschen haben sich schon an uns gewandt, die gemeinsam mit uns den Weg zu Gott gehen wollen", sagte Mayr-Lumetzberger.

Sie gab in dem Interview auch bekannt, wie die Frauen ihren Priesterinnen-Dienst ausüben wollen: "Wir sehen uns in der Tradition der französischen Arbeiterpriester, das heißt, jede von uns wird einem 'weltlichen Beruf' nachgehen und auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen, in der verbleibenden Zeit werden wir priesterlich tätig sein".

Nach den derzeit vorliegenden Informationen dürfte die Priesterinnenweihe von etwa einem Dutzend Frauen am 29. Juni, dem Fest Peter und Paul erfolgen. Möglicherweise in einem Haus in Pettenbach im oberösterreichischen Almtal. Dort wurde am 9. Mai ein ehemaliger Benediktinerpater aus dem Stift Kremsmünster zum "Bischof" geweiht. Dieser werde aber nicht die "Weihe" der Frauen vornehmen, heißt es. Wer die Frauen tatsächlich "weihen" wird, das wird geheim gehalten.

Bereits an Rom weitergeleitet

Sowohl die "Bischofsweihe" vom 9. Mai als auch die bevorstehende "Weihe" der Priesterinnen sind nach kirchlichen Recht unerlaubt und ungültig, die Beteiligten werden möglicherweise exkommuniziert. Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern hat die gesamte Angelegenheit bereits an die zuständigen Stellen in Rom weitergeleitet. (APA)

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