Ältere Frauen wählen rot, junge StädterInnen grün

3. Juni 2002, 08:38
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FP-AnhängerInnen halten sich weiter bedeckt

Linz - Auf die PensionistInnen ist halt doch Verlass: 24 Prozent von ihnen sagen frei heraus, dass sie die SPÖ wählen würden, 20 Prozent erklären sich für die ÖVP; bei der Nachfrage, wer denn am ehesten wählbar wäre, kommen noch jeweils vier Prozent dazu. Für die Parteien ist das Wahlverhalten der älteren Bevölkerung eine ziemlich sichere Bank: Wenn sie (was nie ganz sicher ist) wählen geht, dann wählt sie in hohem Maß "ihre" Stammpartei. Frauen über 50, denen in der Ära Kreisky Lebens- und Berufschancen eröffnet wurden, zeigen eine besondere Treue zur SPÖ.

WählerInnenschaft in Bewegung

Sonst aber ist die WählerInnenschaft in Bewegung - und in den Daten des Linzer market-Instituts ist das deutlich abzulesen. Für den STANDARD wurden dort die Rohdaten der so genannten Sonntagsfrage aus den letzten zehn Wochen zusammengezählt: "Auf dieser Basis lässt sich zwar nicht hochrechnen, welche Teilmenge der Gesellschaft wie wählen würde - dazu müsste man ja wissen, wie diese Leute 1999 tatsächlich gewählt haben. Aber man kann ganz gut erkennen, welche Gruppen sich besonders zu der einen oder anderen Partei bekennen," sagt market-Studienleiter David Pfarrhofer.

Die Daten zeigen einige auffällige Stärken: Die Grünen, die in den Rohdaten (ohne Nachfrage, wer am ehesten wählbar wäre) auf zehn Prozent kommen, haben erkennbar den größten Rückhalt bei StudentInnen und unter JungwählerInnen. Aus den 3927 Befragungen ergibt sich auch, dass sich Frauen unter 30 deutlich stärker (nämlich zu 21 Prozent) als Grün-Wählerinnen deklarieren als gleichaltrige Männer (15 Prozent).

JungwählerInnen beiderlei Geschlechts sind vor allem in den Städten erklärte Grün-WählerInnen: In Wien und den Landeshauptstädten bekennen sich mit 26 Prozent der unter 30-Jährigen mehr JungwählerInnen zu den Grünen als zu jeder anderen Partei.

Die ÖVP hat ihr WählerInnenreservoir traditionell auf dem Land - nicht nur, aber eben auch bei den Bauern/Bäurinnen. In Gemeinden unter 5000 EinwohnerInnen sagen 21 Prozent, dass sie ÖVP wählen würden - in den Landeshauptstädten sind es noch 15, in Wien gar nur 13 Prozent.

Sympathien für FPÖ verheimlicht

Relativ schwierig ist es, bekennende Freiheitliche zu finden, in den Rohdaten sind es neun Prozent - wofür es zwei Erklärungsmuster gibt: Einerseits sind die Blauen in manchen Kreisen gesellschaftlich nicht akzeptiert, weshalb Sympathien verheimlicht werden; andererseits gibt es eine gewisse Unzufriedenheit mit der FPÖ-Regierungspolitik. Das erschwert die Einschätzung der wahren Stärke der Freiheitlichen. Es zeigt sich aber ein Muster derer, die sich für die FPÖ deklarieren: Es sind vorwiegend Männer, die entweder nichts zu verlieren oder aufgrund ihrer hohen Position nichts zu fürchten haben.

DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 3.6.2002

von Conrad Seidl
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