Großes Finanzierungsloch im UNO-Hilfsprogramm für Afghanistan

2. Juni 2002, 19:03
posten

Weltbank erhielt mehrere hundert Millionen Dollar weniger als zugesagt

Kabul - Der internationale Hilfsfonds der Weltbank für die afghanische Übergangregierung hat nach Angaben der UNO bisher mehrere hundert Millionen Dollar weniger erhalten, als von den Gebern zugesagt war. Der Weltbankfonds, der den größten Teil des afghanischen Haushalts von 400 Millionen Dollar (429 Mill. Euro) finanzieren soll, habe bisher erst 40 bis 45 Millionen Dollar eingenommen, sagte der Gesandte der Vereinten Nationen (UNO) für Wiederaufbau, Nigel Fisher, am Sonntag in Kabul. Weitere 50 Millionen Dollar seien zugesagt worden.

Nach dem Sturz der radikal-islamischen Taliban hatten Geberländer auf einer Konferenz in Tokio der afghanischen Übergangsregierung Finanzhilfen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar in den kommenden fünf Jahren zugesagt. Nun scheine es, dass selbst das zehnfache dieser Summe nicht ausreiche, um die Schäden in der Infrastruktur zu beseitigen, die 23 Jahre Krieg hinterlassen hätten, und um Hunderttausenden Nahrung und Unterkunft zu geben, sagte Fisher. "Wir sehen uns der Tatsache gegenüber, dass alles, was in dieses Land kommt, nicht ausreicht."

Einiges Geld fließe wie versprochen, sagte Fischer. So hätten drei Millionen Kinder wieder zur Schule gehen können, 60.000 Farmer seien mit Weizensaatgut versorgt worden und 24 Quadratkilometer Land seien von Minen gesäubert worden. Doch in einigen Gegenden seien noch bis zu 90 Prozent der Menschen vom Hungertod bedroht. Dort verkauften die Menschen aus Not ihr Vieh, beliehen ihr Land, verheirateten früh ihre Töchter und schickten ihre Söhne zum Arbeiten nach Pakistan und in den Iran.

Die internationale Organisation für Auswanderung (IOM) kündigte am Sonntag an, wegen Geldmangels ihre Rückkehrer-Transporte für Flüchtlinge auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Das Rückkehr-Programm für im Ausland ausgebildete Afghanen stehe ebenfalls vor dem Aus, weil Geld fehle, sagte IOM-Sprecher Iain Paterson. Dem Welternährungsprogramm fehlen nach eigenen Angaben 215.000 Tonnen Getreide zur Versorgung Hungernder. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, das für dieses Jahr mit 800.000 Heimkehrern gerechnet hatte, sieht sich zur Jahresmitte bereits 840.000 Heimkehrern gegenüber.

Fisher wies Andeutungen zurück, die UNO habe die Summe unterschätzt, die für den Wiederaufbau Afghanistan benötigt werde. Die Aussichten auf weitere Hilfsgelder seien schlecht, daher müsse man Entscheidungen fällen, die einige Menschen wahrscheinlich nicht glücklich machten, sagte Fisher. "Prioritäten setzen bedeutet, dass einige Menschen, einige Gemeinden, einige Teile des Landes Mittel erhalten werden, es bedeutet, dass andere ohne diese auskommen müssen." (APA/Reuters)

Share if you care.