Rattengift statt Ecstasy

2. Juni 2002, 20:45
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Junges Pärchen starb qualvoll, Mordprozess gegen drei Dealer

Linz - Rattengift statt Ecstasy - dieser folgenschwere Betrug, ausgeführt von einem Dealertrio, war im vergangenen Jahr in Perg in Oberösterreich für ein junges Pärchen tödlich. Die 13-Jährige und ihr 16-jähriger Freund starben qualvoll. Ab morgen, Dienstag, müssen sich deswegen zwei 16-jährige Burschen und ein 23-jähriger Mann am Landesgericht Linz verantworten, und zwar wegen Mordes.

Die Tragödie um das Pärchen hatte Mitte Juli des vergangenen Jahres für enormes Aufsehen gesorgt - zumal vorerst nicht klar war, woran die beiden starben, sogar ein gemeinsamer Selbstmord war vermutet worden. Erst chemische Untersuchungen brachten vierzehn Tage später die Wahrheit zutage.

Das Gift hatten die Angeklagten auf einem Dachboden gefunden. Und obwohl sie sich über die Gefährlichkeit und die tödliche Wirkung von Strychnin informiert hatten, brachten sie es als Ecstasy in Umlauf. Zwei erste Käufer überlebten knapp, was dem Trio auch eine zusätzliche Anklage wegen schwerer Körperverletzung einbrachte.

In der Nacht zum 13. Juli gaben die "Dealer" dann der 13-jährigen Schülerin und deren Freund in Perg das Gift. In der Annahme, es handle sich um Ecstasy, snifften es die beiden. Kurz danach stellten sich schwere Krämpfe ein, beide schrien und konnten sich nicht mehr bewegen.

Dies habe aber, so die Staatsanwaltschaft, den 23-Jährigen nicht gehindert, sich an der sterbenden 13-Jährigen auch noch sexuell zu vergehen. Der Mann wurde daher auch wegen geschlechtlicher Handlungen mit Unmündigen angeklagt. Etwa eine Stunde nach der verhängnisvollen Einnahme des Rattengifts starb das Mädchen. Die drei Angeklagten legten die Leiche in einer Nische bei einer Brücke ab. Später schleppten zwei der Angeklagten den noch lebenden 16-Jährigen zum nahen Naarnfluss und legten ihn in das 40 Zentimeter tiefe Wasser. Laut Sachverständigem starb der Bursch nach einem etwa zehn Minuten dauernden Todeskampf durch Ertrinken. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2002)

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