Rettungsleitzentrale wird modernisiert

2. Juni 2002, 20:50
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Die Wiener Rettung soll für 5,8 Millionen Euro ein neues Kommunikationssystem bekommen

Wien - Die Wiener Rettung wird mit einer neuen Leitzentrale ausgestattet. Bis zu 5,8 Millionen Euro wird diese kosten. Das ist vorerst eine kalkulierte Summe, "genau wissen wir es noch nicht", bedauert Thomas Klvana, Verwaltungsdirektor der Wiener Rettung, "da unter anderem noch offen ist, welches Funksystem auf Bundesebene für die Koordination aller Einsatzkräfte ausgewählt wird".

Offen ist auch die Zustimmung des Gemeinderates zur Finanzierung. Klvana aber hofft, "noch heuer eine Grundsatzentscheidung" zu bekommen. Nicht zu Unrecht, denn bereits im Herbst des Vorjahres wurde zusätzlich zum alten ein neues Gebäude den Rettern für ihre Arbeit übergeben. Kosten: 11,41 Millionen Euro. Und ein neues Haus ohne neue Leitzentrale sei eben nur eine beschränkt sinnvolle Investition.

Jedenfalls soll in der neuen Zentrale ab 2003/04 von der Einsatzkoordination über Satellitennavigation bis hin zur automatischen Adressen- und Nummernerfassung von Anrufern alles abgewickelt werden, erklärt Technikexperte Alex Watzger. Auch neue Richtlinien zur Anruferfassung werden eingeführt.

Und auch Bernhard Segall, stellvertretender Leiter der Rettung, sieht dringend notwendige Investitionen in Sachen Technik. "Die jetzige Anlage ist fast zehn Jahre alt. Schön langsam fällt alles auseinander." Und wie zur Bestätigung bedauert ein Mitarbeiter, dass die Tastatur an seinem Computer nicht funktioniere - er daher die Frage, wie viele Rettungseinsätze an einem Tag zu koordinieren seien, nicht gleich online abfragen könne.

Keine Beeinträchtigung

Von diesen kleinen technischen Gebrechen scheint die tägliche Notfallkoordination aber nicht beeinträchtigt.

Ein Versuch zeigte, dass binnen weniger Sekunden ein Anruf bei der Notrufnummer 144 von der Leitzentrale entgegengenommen wird. Wartezeiten am Telefon könnten sich nur in Spitzenzeiten ergeben, wenn "alle Telefonisten gerade gleichzeitig Anrufe entgegennehmen". Segall empfiehlt, in der Warteschleife zu bleiben, nicht wieder aufzulegen. Auch wenn das subjektive Gefühl des "ewigen Wartens" im Notfall unerträglich ist.

Pro Tag werden rund 700 Fahrten zu Notfällen bei der Rettung koordiniert. Dazu kommen noch die Krankentransporte, die von Rotem Kreuz, Arbeitersamariterbund, Maltesern und Johannitern abgewickelt werden.

Was Segalls Mannschaft oft zu schaffen macht, ist, "dass ein Teil unserer Ausfahrten darauf zurückzuführen ist, dass niedergelassene Ärzte und der Ärztefunkdienst mit ihren Visiten nicht mehr nachkommen. So wird zum Teil wegen einfacher Hausbesuche gleich die Rettung angerufen." Das will Segall nicht als Vorwurf verstanden wissen. Aber oft wären halt Notfalleinsätze durch die Rettung gar nicht nötig. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2002)

Andrea Waldbrunner
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