Ältere Frauen wählen rot, junge Städter grün

3. Juni 2002, 19:06
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FP-Anhänger halten sich weiter bedeckt - Infografik der Parteipräferenzen

Linz - Auf die Pensionisten ist halt doch Verlass: 24 Prozent von ihnen sagen frei heraus, dass sie die SPÖ wählen würden, 20 Prozent erklären sich für die ÖVP; bei der Nachfrage, wer denn am ehesten wählbar wäre, kommen noch jeweils vier Prozent dazu. Für die Parteien ist das Wahlverhalten der älteren Bevölkerung eine ziemlich sichere Bank: Wenn sie (was nie ganz sicher ist) wählen geht, dann wählt sie in hohem Maß "ihre" Stammpartei. Frauen über 50, denen in der Ära Kreisky Lebens- und Berufschancen eröffnet wurden, zeigen eine besondere Treue zur SPÖ.

Sonst aber ist die Wählerschaft in Bewegung - und in den Daten des Linzer market-Instituts ist das deutlich abzulesen. Für den STANDARD wurden dort die Rohdaten der so genannten Sonntagsfrage aus den letzten zehn Wochen zusammengezählt: "Auf dieser Basis lässt sich zwar nicht hochrechnen, welche Teilmenge der Gesellschaft wie wählen würde - dazu müsste man ja wissen, wie diese Leute 1999 tatsächlich gewählt haben. Aber man kann ganz gut erkennen, welche Gruppen sich besonders zu der einen oder anderen Partei bekennen," sagt market-Studienleiter David Pfarrhofer.

In der oben stehenden Grafik werden einige auffällige Stärken aufgezeigt: Die Grünen, die in den Rohdaten (ohne Nachfrage, wer am ehesten wählbar wäre) auf zehn Prozent kommen, haben erkennbar den größten Rückhalt bei Studenten und unter Jungwählern. Aus den 3927 Befragungen ergibt sich auch, dass sich Frauen unter 30 deutlich stärker (nämlich zu 21 Prozent) als Grün-Wählerinnen deklarieren als gleichaltrige Männer (15 Prozent).

Jungwähler beiderlei Geschlechts sind vor allem in den Städten erklärte Grün-Wähler: In Wien und den Landeshauptstädten bekennen sich mit 26 Prozent der unter 30-Jährigen mehr Jungwähler zu den Grünen als zu jeder anderen Partei.

Die ÖVP hat ihr Wählerreservoir traditionell auf dem Land - nicht nur, aber eben auch bei den Bauern. In Gemeinden unter 5000 Einwohnern sagen 21 Prozent, dass sie ÖVP wählen würden - in den Landeshauptstädten sind es noch 15, in Wien gar nur 13 Prozent.

Relativ schwierig ist es, bekennende Freiheitliche zu finden, in den Rohdaten sind es neun Prozent - wofür es zwei Erklärungsmuster gibt: Einerseits sind die Blauen in manchen Kreisen gesellschaftlich nicht akzeptiert, weshalb Sympathien verheimlicht werden; andererseits gibt es eine gewisse Unzufriedenheit mit der FPÖ-Regierungspolitik. Das erschwert die Einschätzung der wahren Stärke der Freiheitlichen. Es zeigt sich aber ein Muster derer, die sich für die FPÖ deklarieren: Es sind vorwiegend Männer, die entweder nichts zu verlieren oder aufgrund ihrer hohen Position nichts zu fürchten haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2002, Conrad Seidl)

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