"Wir sehen, dass Musharraf Maßnahmen setzt"

2. Juni 2002, 20:04
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Der ehemalige US-Sicherheitsberater Robert C. McFarlane zeigt vorsichtigen Optimismus

Wien - Robert C. McFarlane war hoch profilierter Sicherheitsberater der US-Regierung von Ronald Reagan, in Wien nimmt er am Montagabend an einer Veranstaltung des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (OIIP) in der Diplomatischen Akademie teil. Zur Debatte wird die aktuelle US-Politik im Nahen und Mittleren Osten stehen.

Im Gespräch mit dem STANDARD äußert sich McFarlane auch zum Konfliktherd in Südasien. Die Vermittlungsmission von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und auch das Treffen in Kasachstan, bei dem Russlands Präsident Wladimir Putin Pakistans Präsident Musharraf und Indiens Ministerpräsident Vajpayee ins Gebet nehmen wird, bringen nach Ansicht McFarlanes eine willkommene "Pause", während der keine der beiden Parteien militärisch etwas unternehmen wird. Für die kommenden zehn Tage erwartet McFarlane demnach eine Reduktion der Spannungen und vielleicht sogar gewisse militärische Schritte zurück.

Ernste Absichten Musharrafs

McFarlane bestätigt den US-Eindruck, dass Musharraf es diesmal mit der Eindämmung der vom pakistanischen ins indische Kaschmir einsickernden Extremisten ernst meint: "Nun sehen wir wirklich, dass er Maßnahmen setzt." Bis vor wenigen Tagen habe der General einen Bedrohungsaufbau zugelassen, um die USA auf ihrer Seite ins Spiel zu bringen - eine "Fehlkalkulation", deren Hintergrund aber auch die Frustration darüber ist, dass Indien in diesem historischen Konflikt das Engagement einer dritten Partei immer abgelehnt hat.

Zum zweiten Konfliktherd, der die internationale Gemeinschaft am meisten beschäftigt, dem Nahen Osten, meint McFarlane, er sei vor allem ein "Produkt schlechter Führung" aufseiten der Palästinenser. Hinter der Szene seien da jetzt viele Versuche am Laufen, einerseits Yassir Arafat unter Druck zu setzen, andererseits neue politische Persönlichkeiten zu ermuntern, ganz neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf die Frage, ob sich denn nur auf palästinensischer, nicht aber auf israelischer Seite etwas ändern müsse, äußert McFarlane seine "persönliche Ansicht": Wenn die Palästinenser sich auf den Weg der Reform und Veränderung begeben, so werde das auch einen Regierungswechsel in Israel zur Folge haben, "und das ist wesentlich".

Zur zuletzt von Medien kolportierten Nachricht, die USA hätten ihren Wunschnachfolger für Arafat in Muhammad Dahlan gefunden, dem bisherigen Sicherheitschef in Gaza, der wahrscheinlich einen neuen palästinensischen Sicherheitsapparat übernehmen wird, gibt sich McFarlane diplomatisch: Die USA würden sich schon deshalb nicht öffentlich für jemanden aussprechen, weil das "so ein Individuum extrem verwundbar" machen würde. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2002)

von Gudrun Harrer
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