Fluglinien müssen weiter schrumpfen

2. Juni 2002, 18:29
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Andernfalls stehen weitere Verluste bevor

Schanghai - Den Chefs der Fluglinien, die derzeit zum ersten Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September bei der jährlichen IATA-Konferenz (International Air Transport Association) über die Entwicklung in dem durch den Terror geänderten Markt beraten, stehen nach Aussagen von Branchenexperten weitere Verluste zusätzlich zu den weltweiten Verlusten des Vorjahres in Höhe von 17 Mrd. Dollar (18,2 Mrd. Euro) ins Haus, wenn es der Industrie nicht gelingt, um ein Drittel zu schrumpfen.

British Airways, American Airlines und anderen werde es nicht gelingen, in die Gewinnzone zurückzukehren, indem sie einfach ihre Flieger mit billigen Tickets anfüllen, um Marktanteile auf Kosten anderer zu gewinnen, warnte Chris Tarry, Airlinespezialist der Commerzbank. "Es geht um das einfache Prinzip von Angebot und Nachfrage, das die Airlines seit 50 Jahren ignoriert haben", sagte Tarry. "Die Industrie leidet unter einer kollektiven Illusion über Produktivität und Kosten."

Die durchschnittliche Rohgewinnmarge der gesamten Industrie betrug zwischen 1947 und 2000 jährlich nur drei Prozent. Selbst vor dem 11. September war die Summe aller Verluste der Industrie größer als die Summe aller Gewinne, die je in der Geschichte des kommerziellen Fliegens gemacht wurde.

Netzwerkonzept überzogen

Das traditionelle Netzwerkkonzept der Airlines sei überzogen und wirtschaftlich nicht nachhaltig führbar, kritisiert der frühere CEO von Olympic Airways, Rigas Doganis. Große Fluglinien müssten ihre Kurzstrecken reduzieren, kleine ihre Langstrecken, beschreibt Doganis eine Alternative zu den Großnetzen, die derzeit das Konzept der meisten Airlines seien.

Verlust in guten Zeiten

Würden die Fluglinien auf diese Art ihre Kapazitäten reduzieren, könnten sie den Preisverfall stoppen, der ihre Erträge beständig weiter aushöhlt, sagte Doganis.

Commerzbank-Spezialist Tarry sieht die Notwendigkeit, dass die Airlines mindestens 30 Prozent schrumpfen müssen, wenn sie nachhaltige Gewinne erwirtschaften wollen. Der Preisverfall sei so dramatisch, dass ein Transatlantikticket heute so viel koste wie ein europäischer Kurzstreckenflug, sagte Tarry. Das bedeute, dass nicht einmal in wirtschaftlich guten Zeiten ein Gewinn gewährleistet sei.

Für 2002 prognostiziert der Experte Verluste von zehn Mrd. Dollar für die gesamte Branche. Dafür können nicht alleine die Anschläge verantwortlich gemacht werden: Selbst vor dem 11. September wurden für 2001 kollektive Verluste von 2,5 Mrd. Dollar erwartet. (Bloomberg,red, DER STANDARD, Printausgabe 3.6.2002)

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