Altbundespräsident Waldheim im Libanon

2. Juni 2002, 12:56
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"Preis für Nahost-Frieden wird nicht runtergehen"

Beirut/Wien - Altbundespräsident Kurt Waldheim hat bei seinem Aufenthalt im Libanon am Wochenende die mangelnde Perspektive im Nahost-Konflikt, der sich in einem "destruktiven Strudel von Gewalt und Gegengewalt" äußert, beklagt. In einer Rede an der Libanesischen Universität in Beirut, wo erstmals ein nach ihm benannter Preis für internationale Studien vergeben wurde, sprach Waldheim von einem "tragischen Zyklus versäumter Gelegenheiten, des politischen Opportunismus' und des menschlichen Leids".

"Was wir in der Vergangenheit und auch heute noch am meisten vermissen, ist politischer Mut und wahre staatsmännische Größe", sagte Waldheim zur Situation im Nahen Osten. Dies würde voraussetzen, "dass die Konfliktparteien nicht nur wissen, was sie wollen, sondern auch mit Vernunft die Grenzen erkennen, an die sie gehen können, und die Last, die die Gegenseite ertragen kann. Nichts davon war in jüngster Zeit erkennbar", kritisierte der ehemalige UNO-Generalsekretär.

"Preis bleibt muss oben"

Die Konfliktparteien müssten erkennen, "dass der Preis, der für Frieden und Kompromiss zu bezahlen ist, nicht hinunter gehen wird", warnte Waldheim. Ganz im Gegenteil würden in Konflikten immer radikale Minderheiten ihren Anteil fordern. Im Angesicht der schrecklichen Gewaltakte im Nahen Osten hätte er gehofft, dass politische und religiöse Autoritäten der Region gemeinsam zu einem Ende der Gewalt aufrufen, die im Namen von Religion und Gerechtigkeit angewendet werde, bedauerte Waldheim.

Im Beisein des Altpräsidenten wurde die Libanesin Chantal Sarkis für ihre wissenschaftliche Arbeit über "Vor- und Nachteile der Globalisierung für die Dritte Welt" mit dem "Dr.-Kurt-Waldheim-Preis für Internationale Studien" ausgezeichnet. Waldheim wies in seiner Ansprache "die Idee" von sich, "dass Terror von einer Religion ausgeht oder eine politische Heimat hat - er ist gleichermaßen der Feind von Moslems und Israelis, Amerikanern und Europäern".

Das Schicksal des Libanon bezeichnete der 83-jährige Waldheim als "eine der größten und heikelsten Herausforderungen" seiner zehnjährigen Amtszeit als UNO-Generalsekretär. Die damals eingesetzte UNO-Beobachtungsmission UNIFIL existiert heute, 24 Jahre später, immer noch. Waldheim wurde in Beirut von den höchsten Spitzen des Staates und der Regierung empfangen - vom maronitischen Präsidenten Emile Lahoud, vom sunnitischen Regierungschef Rafik Hariri und vom schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri. (APA)

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