Justizskandal: Mafia-Killer freigelassen

2. Juni 2002, 15:15
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Itlienischer Justizminister schickt Kommission nach Sizilien

Palermo/Rom - Die Freilassung von acht zu lebenslanger Haft verurteilten Mafia-Killern aus dem Gefängnis in Sizilien hat eine Welle der Empörung in Italien ausgelöst. Justizminister Roberto Castelli schickte eine Kommission nach Palermo, um den Justizskandal zu klären. Italienische Zeitungen berichteten am Sonntag, bisher stehe lediglich fest, dass die in erster Instanz Verurteilten wegen eines juristischen Formfehlers auf freien Fuß kamen.

Richter hätten es versäumt, eine Anordnung fristgerecht zu unterschreiben, damit die Männer bis zum Urteil in höherer Instanz weiter in Haft bleiben müssen. Darauf hätten die Anwälte die Freilassung der Mafiosi erzwungen. "Das ist verheerend für die Glaubwürdigkeit unseres Kampfes gegen die Mafia", meinte ein Staatsanwalt in Palermo. Die Opposition in Rom forderte ein parlamentarisches Nachspiel. In der Vergangenheit gab es immer wieder ähnliche Skandale.

>Unverständnis

Unverständnis löste auch die Entscheidung des Kassationsgericht aus: Es hob die lebenslänglichen Haftstrafen gegen 13 Cosa-Nostra-Bosse auf, die vor zehn Jahren den Mord an Mafia-Fahnder Giovanni Falcone in Auftrag gegeben haben sollen. Die Prozesse müssen nun neu aufgerollt werden.

Eine Urteilsbegründung liegt noch nicht vor. Medienberichten zufolge kamen die Kassationsrichter aber zur Ansicht, dass die 13 Bosse an der entscheidenden Sitzung der Cosa-Nostra-Spitze, bei der die Ermordung Falcones entschieden wurde, nicht teilgenommen hatten. Ein Mafia-Kronzeuge hatte behauptet, bei wichtigen Entscheidungen müsse jedes einzelne Mitglied der "Cupola" (Mafiaspitze) persönlich zustimmen. Die Urteile gegen 21 weitere Mafiosi, die das Verbrechen seinerzeit ausführten, bestätigte das Kassationsgericht. Bei dem spektakulären Sprengstoffanschlag bei Palermo auf das Auto Falcones waren 1992 auch seine Frau und drei Bodyguards ums Leben gekommen. (APA)

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