Neue Artilleriegefechte in Kaschmir

2. Juni 2002, 11:49
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Beide Länder einig: Einschleusung von Extrememisten muss aufhören

Neu Delhi/Muzaffarabad - Die Artilleriegefechte zwischen den Atommächten Indien und Pakistan in Kaschmir sind auch am Sonntag weitergegangen. Nach indischen Angaben wurden nahe Akhnoor im Süden des Bundesstaates Jammu und Kaschmir eine Frau getötet und acht Zivilisten verletzt. Auch an anderen Grenzabschnitten kam es zu Artillerie- und Gewehrfeuer. Das berichteten die indischen Medien. Die Kaschmir-Rebellen haben unterdessen nach Informationen aus den Separatisten-Kreisen im pakistanischen Teil von Kaschmir ihre Infiltration in den indischen Teil inzwischen nahezu gestoppt.

Aus den Kreisen in Muzaffarabad verlautete, auch den Separatisten gehe es darum, einen Krieg zwischen Pakistan und dem Nachbarland Indien zu vermeiden. Die Anweisung, keine Extremisten mehr über die sogenannte Waffenstillstandslinie nach Jammu und Kaschmir einzuschleusen, sei von der Regierung in Pakistan gekommen. "Sie wurden aufgefordert, und dann hat die Infiltration praktisch aufgehört", verlautete aus den Separatisten nahestehenden Kreisen in der Hauptstadt des pakistanischen Teils von Kaschmir. Die Anweisung aus Islamabad sei bereits in der vergangenen Woche ergangen.

Ergebenisse gefordert

Der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee will erst dann mit dem pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf reden, wenn das Eindringen von Extremisten nach Indien aufhört. "Wenn wir die Ergebnisse von General Musharrafs Aussagen sehen, werden wir ernsthaft über ein Treffen nachdenken", sagte Vajpayee am Sonntag in Neu Delhi.

Der indische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Yogendra Narain, schloss in einem Interview des Wochenmagazins "Outlook" gezielte Militärschläge gegen Lager der Extremisten im pakistanischen Teil von Kaschmir im Fall einer kriegerischen Entwicklung nicht aus. Solche Attacken seien im Gegensatz zu einem großen, flächendeckenden Krieg "eine realistische Option", sagte Narain, und diese Schläge könnten gegebenenfalls "mit dreistündiger Vorankündigung" erfolgen. (APA/Reuters)

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