"Depot" vor der Schließung

3. Juni 2002, 14:07
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Kunstinitiative kündigte alle Mitarbeiter - Noch keine Förderungszusage vom Bund - "Das kommt einer Schließung gleich"

Wien - Die Kunst- und Theorieinstitution "Depot" hat mit Ende Mai alle ihre Mitarbeiter gekündigt. Dies sei notwendig geworden, weil bis dato von Seiten des Bundes noch keine Entscheidung über den Budgetantrag für das Programm 2002 gefällt worden sei und das "Depot" daher für das laufende Jahr noch keine Fördermittel erhalten habe, sagte "Depot"-Sprecher Wolfgang Zinggl. Die Mitarbeiter-Kündigung komme "mehr oder weniger einer Schließung gleich", so Zinggl, der "parteipolitische Gründe" für die Verzögerung bei der Budgetentscheidung vermutet. Die Sprecherin von Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP), Katharina Stourzh, wies dies gegenüber der APA als "völlig absurd und lächerlich" zurück.

Die Zukunft des "Depots" hängt nun vorderhand von der Sitzung des Kunstbeirats am Dienstag (4. 6.) ab, während der über eine Empfehlung der Zusprechung von Budgetmitteln an das "Depot" entschieden wird. Angesucht wurde um rund 363.000 Euro. "Die definitive Entscheidung hat dann der Kunststaatssekretär", betonte Stourzh im Zusammenhang mit der ausstehenden Beiratsempfehlung. In den bisherigen Sitzungen des Kunstbeirats seien fehlende Unterlagen moniert worden, die das "Depot" nicht nachgereicht habe, so Stourzh - was wiederum Zinggl zurückweist.

Keine Antwort

"Wir haben das ganz ordentlich und rechtzeitig abgegeben", so Zinggl. Das "Depot" habe die seiner Meinung nach auch beim ersten Mal schon vollständigen Unterlagen auf Aufforderung erneut geschickt, aber "bis heute keine Antwort" erhalten. Anstatt dass man die "politischen Gründe zugebe, sagt man, wir haben die Unterlagen nicht eingebracht. Das soll am Kunstbeirat - wie bei Public Netbase im Vorjahr - vorbei geführt werden", so Zinggl.

"So kann man eine Institution auch ruinieren", meinte Zinggl. "Wenn man im Juni noch keine Zusage für Fördermittel des selben Jahres hat, ist man schon längst in den roten Zahlen". Zinggl bezeichnete die Situation des Depots als "sehr ernst", betonte jedoch: "Das ist noch nicht der große Untergang". In rund zwei Monaten müsse man beginnen, Besitztümer und Räumlichkeiten "abzustoßen". Dann werde es "sehr schwierig", das "Depot" wieder in vollen Betrieb zu nehmen.

"Normale Abläufe"

Stourzh erwog für die "ganz normalen bürokratischen Abläufe" nach einer "eventuell positiven Beiratsentscheidung" ("Man soll dem Beirat nicht vorgreifen") eine Dauer von "einigen Wochen", bis die Institution zu ihrem Geld kommen könnte.

Zinggl meinte, er habe den Depot-Mitarbeitern, nachdem nach der für 31. März ausgesprochenen Kündigung auch die Kündigungsfrist von zwei Monaten ohne der Zuerkennung von Fördermitteln verstrichen war, gesagt, dass sie "nicht mehr kommen brauchen. Ich kann sie nicht entlohnen". Man werde noch acht Programmpunkt im Juni, die vertraglich fixiert seien, abwickeln. Für den Juli gebe es kein Programm mehr. Das Cafe ist schon geschlossen, die Bibliothek wird für zwei Stunden am Tag geöffnet gehalten. (APA)

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