Castro weist Bushs Reformforderungen zurück

1. Juni 2002, 19:13
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Bushs Rede zum US-Embargo ein "peinliches Spektakel" - Amerikanische Demokratie kein Vorbild

Havanna - Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro hat am Samstag die Forderung von US-Präsident George W. Bush nach einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung seines Landes erneut zurückgewiesen. Auf einer Großkundgebung, zu der nach offiziellen Angaben mehr als 400.000 Menschen in der Stadt Holguin (rund 725 Kilometer östlich von Havanna) zusammengekommen waren, verteidigte Castro wie schon am Samstag vor einer Woche das bestehende sozialistische System auf der Insel.

Bush hatte in einer Rede zum 100. Unabhängigkeitstag Kubas am 20. Mai die Aufhebung des US-Embargos gegen Kuba von freien Wahlen und marktwirtschaftlichen Reformen abhängig gemacht. Castro bezeichnete Bushs Rede als "peinliches Spektakel". Es klinge ironisch, wenn Bush von Demokratie für Kuba rede und zu Florida schweige, sagte Castro. Nach kubanischer Auffassung hat Bush die Präsidentenwahlen vom November 2000 nur dank Manipulationen bei der Stimmenauszählung im Bundesstaat Florida gewonnen.

Seit dem Streit um den Flüchtlingsjungen Elian Gonzalez vor zwei Jahren finden auf Kuba jeden Samstag Kundgebungen statt, auf denen die Politik der USA kritisiert wird. Der Massenaufmarsch an diesem Samstag war der zweite hintereinander, an dem Fidel Castro teilnahm und redete.

Amerikanische Demokratie kein Vorbild

Mit scharfen Worten lehnte der kubanischen Staatschef Fidel Castro am Samstag die amerikanische Demokratie als Vorbild für sein Land ab. Bei der Demokratie, die US-Präsident George W. Bush Kuba aufzwingen wolle, handle es sich um ein korruptes, unfaires System, das die Armen ignoriere, sagte Castro in einer Rede vor mehreren Hunderttausend Menschen in der Provinzhauptstadt Holguin im Osten Kubas.

Mit der Rede reagierte Castro wie schon eine Woche zuvor auf zwei Ansprachen Bushs am 20. Mai in Washington und Miami, in der dieser die harte Haltung der US-Regierung gegenüber Kuba verteidigte. Bush hatte bekräftigt, dass die amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen Kuba so lange in Kraft blieben, bis Kuba alle politischen Gefangenen freigelassen habe, freie Wahlen abgehalten würden und das Land eine neue wirklich demokratische Regierung habe. Zuvor hatte der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter bei einem Besuch in Kuba die Aufhebung der Sanktionen gefordert.

"Keiner unserer führenden Politiker ist Millionär wie der Präsident der Vereinigten Staaten, dessen Monatsgehalt fast doppelt so hoch ist wie die Jahresgehälter aller Mitglieder des kubanischen Staats- und Ministerrates zusammen", sagte Castro in seiner Rede zum 100. Unabhängigkeitstag Kubas. Die kubanische Regierung kümmere sich wesentlich besser um das eigene Volk als die der USA. (APA/dpa)

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