Argentiniens Präsident will Kontensperre beenden

1. Juni 2002, 17:04
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Sparguthaben sollen in staatliche Schuldscheine umgewandelt werden

Buenos Aires - Der argentinische Präsident Eduardo Duhalde will die seit sechs Monaten bestehenden Kontensperrung aufheben. Der Staatschef habe ein entsprechendes Dekret unterzeichnet, berichteten nationale Medien am Samstag. Die seit Anfang Dezember eingefrorenen Sparguthaben sollten auf freiwilliger Basis in staatliche Schuldscheine umgewandelt werden, hieß es. Mit diesen Papieren könnten die Inhaber Neubauwohnungen, Neuwagen, landwirtschaftliche Maschinen und Ausrüstungsgüter kaufen sowie Schulden begleichen. Das Parlament muss den Entscheidungen noch zustimmen.

Die Sparer müssten sich den Presseberichten zufolge binnen 30 Tagen zwischen drei verschiedenen Schuldscheinen entscheiden. Zwei der so genannten Bonds seien in Dollar gezeichnet und sollten eine Laufzeit von drei und fünf Jahren haben. Der dritte Bond werde in Peso gezeichnet sein und werde nach fünf Jahren fällig. Die Kontoinhaber könnten sich jedoch auch entscheiden, sich ihre Guthaben in Pesos nach einem mehrjährigen Stufenplan auszahlen zu lassen. Offiziellen Schätzungen zufolge sind derzeit etwa 46 Milliarden Pesos (14 Mrd Euro) auf den Konten eingefroren.

Als Umrechnungskurs für die Dollar-Bonds solle ein Wert von 1,40 Pesos je Dollar zu Grunde gelegt werden, obwohl ein Dollar zurzeit 3,75 Pesos kostet. Der Peso-Bond solle entsprechend der Inflationsrate verzinst werden. Die Banken hatten sich schon zuvor unzufrieden geäußert, weil sie eine Entschädigung für die ungleiche Umstellung der Dollarkonten auf den Peso fordern. Guthaben waren im Verhältnis ein Dollar zu 1,40 Pesos umgerechnet worden, während Schulden im Verhältnis 1:1 umgestellt worden waren.

Die Sparer fordern nach wie vor die Rückgabe ihrer Dollar statt der Bonds eines zahlungsunfähigen Staates. Die Auto- und Maschinenbauindustrie zweifelte ebenfalls am Wert der Bonds. (APA/dpa)

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