Nitrofen-Skandal

2. Juni 2002, 16:38
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Bauern verklagen Industrie - Greenpeace will Hersteller von Pflanzengiften zur Verantwortung ziehen

Frankfurt - Nach der Aufklärung des Nitrofen-Skandals wollen deutsche Bauern die Futtermittel-Industrie auf Schadenersatz verklagen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABl) kündigte am Sonntag eine entsprechende Klage gegen die Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG und GS agri an. Damit sollten betroffene Bauern unterstützt werden, hieß es. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte, auch Hersteller von Pflanzengiften zur Verantwortung zu ziehen.

In einer Erklärung der Abl hieß es, neben strafrechtlichen Konsequenzen sei es auch Pflicht und Verantwortung der betroffenen Futtermittel-Industrie, den wirtschaftlichen Schaden für die Landwirtschaft wieder gut zu machen. Eine besondere Verantwortung komme dabei auch der Spitze des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zu, die in allen Futtermittelkonzernen Schlüsselpositionen in Vorständen und Aufsichtsräten besetze. Das DBV-Präsidium müsse seinen Einfluss geltend machen, damit es zu schneller und unbürokratischer Hilfe für die Landwirte komme.

Entschuldigung

Die Abl forderte zudem DBV-Präsident Gerd Sonnleitner auf, sich öffentlich bei den Bauern zu entschuldigen. Anstatt die bekannt gewordenen Praktiken der Futtermittel-Industrie kritisch zu beurteilen, habe er "bewusst von eigenen Einflussmöglichkeiten abgelenkt und die politische Unterstützung für den Öko-Landbau verunglimpft".

Greenpeace-Sprecher Christoph Then erklärte, die Entschädigung der Öko-Höfe, die ihre Produkte vom Markt nehmen mussten, dürfe nicht auf Kosten der Steuerzahler gehen. Zuvor müssten Futtermittel-Industrie und Hersteller von Pflanzengiften, wie Höchst/Aventis und Bayer, zur Verantwortung gezogen werden. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Konzerne, die jahrelang an dem Gift verdienten, für die Spätfolgen überhaupt nicht haften müssen", sagte Then.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) wies unterdessen die Vorwürfe von Bundesverbraucherministerin Renate Künast zurück. Künast hatte erklärt, der Verband, dem bis auf ein Unternehmen alle Akteure des Skandals angehörten, habe sich nur um seinen Schadenersatz gekümmert, nicht aber um die Sicherheit der Verbraucher. Der DRV erklärte, er vertrete innerhalb der Raiffeisen-Organisation rund 3.600 genossenschaftliche Unternehmen des ländlichen Bereichs. Diese seien selbstständige Unternehmen, die in eigener Verantwortung tätig seien. "Wenn von einzelnen Unternehmen fehlerhaft gehandelt worden ist, müssen diese selbstverständlich die Konsequenzen tragen", hieß es in einer Erklärung. (APA)

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